Joh. Wilh. Spaeth


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Joh. Wilh. Spaeth: Joh. Wilh. Spaeth: Gründer Joh. Wilhelm Spaeth


Allgemeines

FirmennameJoh. Wilh. Spaeth
OrtssitzNürnberg
OrtsteilDutzendteich
StraßeLudendorffstr. 31
Postleitzahl90480
Art des UnternehmensMaschinenfabrik
AnmerkungenAuch bezeichnet als "Erste Bayerische Maschinenfabrik". Besitzer um 1885: Herr Joh. Falk. Die Fabrikantenvilla (Baujahr: 1890) in der Dutzendteichstraße steht um 2009 noch ("Knabenseminar St. Paul", gehört der Kirche; wird 2009 saniert).
Quellenangaben[Maschinenindustrie (1939/40) 666] [MAN-Dampfmaschinenliste] [Adressbuch Elektr.-Branche (1892) 198] [Nürnberger Nachrichten, 04.09.2009, S. 9]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1786 Geburt von Johann Wilhelm Spaeth in Ismannsdorf (Landkreis Gunzenhausen) als Sohn eines Müllers. - Er erlernt auch das Müllerhandwerk und arbeitet dann als Mühlbursche in der Nürnberger Pfannenmühle.
14.06.1806 Der Nürnberger Mechanicus Joh. Wilhelm Spaeth wird als Sohn eines Müllers in Ißmannsdorf im Fürstentum Ansbach geboren. Nachdem er nach gutem altem Brauch das Gewerbe seines Vaters erlernt hatte, begibt er sich auf die Wanderschaft, in deren Verlauf er zunächst nach Nürnberg und Schwabach, späterhin nach Schlesien und Preußen und sogar bis an die Waterkant kommt.
1815 Johann Wilhelm Spaeth läßt sich nach seiner Wanderschaft als "Mühlarzt" in Nürnberg nieder.
1820 Spaeth übernimmt die Werkstatt des Tuchfabrikanten Johann Philipp Lobenhofer, die zur Einrichtung seiner Tuchfabrik in Wöhrd errichtet worden war. Der Mechaniker konstruiert Spinn- und Schermaschinen sowie Webstühle und Tuchpressen. 40 der 56 Maschinen kommen aus der Spaeth'schen Werkstatt. - Nachdem er diese Aufgabe zur vollkommenen Zufriedenheit seiner Auftraggeber vollendet hatte, betreibt er die Werkstätte zunächst auf eigene Rechnung weiter.
1821 Gründung [auch 1825 genannt] durch Johann Wilhelm Späth (1786-1854), der sich während seiner Wanderjahre auch mit englischen Maschinen bekannt machte. - Das Unternehmen ist noch 1939 in Familienbesitz
1825 Bald werden Spaeth die Räume in der Tuchfabrik zu eng, so daß er sich nach einer neuen Heimstätte umsehen muß. Die Müllerssöhne Johann Michael und Johann Wilhelm Spaeth erwerben daher das zum Kauf ausgebotene, schon 1337 urkundlich erwähnte "Hammer- und Mühlwerk" am Ausgang des Dutzendteichs, die Saigerhütte samt Haus und Herberg und anderen Zu- und Eingehörungen am "Dutzendteich" bei Nürnberg.
1827 Die von Spaeth gebauten Textilmaschinen für für den Tuchfabrikanten Lobenhofer werden bei der Inventur lobend erwähnt.
1827 Durch eine Beteiligung des Bankhauses Lödel & Merkel in Höhe von 8.000 Gulden kann Spaeth seinen Betrieb erweitern. Das Unternehmen firmiert nun unter "Spaeth & Co.". In den erweiterten Betriebsräumen sind eine Dreherei, Schlosserei sowie eine Schreinerei untergebracht, und die Auftragslage war gut. Nach Abschluss der Ausstattung in Lobenhofers Fabrik stellt Späth nun Mühlen-Ausstattungen nach englisch-amerikanischem System her und fertigt auch Maschinen für Draht-, Tabak-, und Kattunfabriken.
1827 Das Hammerwerk am Dutzendteich wird umgebaut.
1831 Die Erweiterung ist fertig
1831 J. W. Spaeth erhält als Anerkennung für die Ausstattung seiner Mühle am Fischbach den Staatspreis in Höhe von 3.000 Gulden.
1832 Spaeth verlegt den Sitz des Unternehmens, das "als die erste Maschinenbauanstalt in Bayern in der Entwicklung des Fabrik- und Verkehrswesens bahnbrechend vorangehen sollte", in die neu erbaute Werkstätte, in welcher hauptsächlich Mahlmühlen in einer gegen früher wesentlich verbesserten Konstruktion, außerdem auch Schleifmaschinen, Drahtzüge, Hopfenpressen usw. hergestellt wurden.
1833-1835 Als auf Anregung weitblickender Männer wird eine Aktiengesellschaft zur Erbauung einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gegründet wird, hat der Leiter des Unternehmens, der kgl. Bezirksingenieur Denis, der bestrebt ist, nach Möglichkeit nur deutsche Erzeugnisse zu verwenden, mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil ja die einheimischen Fabriken keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiete besitzen. Aber auch hier bewährt sich Spaeth auf das beste. Er konstruiert die für den Betrieb notwendigen Drehscheiben, ferner baut er unter Beteiligung einiger Nürnberger und Fürther Wagner-, Schmiede- und Sattlermeister Eisenbahnwaggons und übernimmt es 1835 auch, die in England bestellte Lokomotive Adler, die wegen etwas günstigerer Verzollung in einzelnen Teilen geliefert wurde, in Dutzendteich zusammenzusetzen, welche schwierige Arbeit so gut gelingt, daß schon 17 Tage später die erste Probefahrt auf der Strecke gemacht werden kann.
1835 Zusammenbau der Lokomotive "Adler" durch J. W. Spaeth in Nürnberg. Die Lok wurde in 100 Einzelteilen von Stephenson geliefert.
1835-1836 Mit Aufträgen für den Bau der Ludwigsbahn (ab 1835) und des Ludwigskanals (1836-1846) beginnt der Aufschwung des Unternehmens.
1835 Eine Vergrößerung der Werkstatt auf dem Gelände der Tuchfabrik ist nicht mehr möglich, um alle Aufträge zu erledigen. Daher verlagert Spaeth seine Maschinenbauanstalt mit Dreherei, Schreinerei, Schlosserei, Schmiede und Zimmerwerkstatt nach und nach bis 1835 an den Dutzendteich. Die Dreherei (mit zwei Bohrmaschinen, zwei Drehbänken und einer Kopfdrehbank) wird durch ein oberschlächtiges Wasserrad angetrieben.
1836 Spaeth lehnt Aufträge für die Ludwigseisenbahn wegen "überhäufter Bestellungen" ab.
01.07.1836 Spaeth schafft für den Ludwigs-Donau-Main-Kanal, mit dessen Bau am 1. Juli 1836 begonnen wird, eine Fülle neuer Maschinen und Ausrüstungen, darunter die durch Dampf und Wasserkraft angetriebenen Erdtransportmaschinen.
1837 Spaeth baut alle Maschinen für die leonische Drahtfabrik
19.01.1842 Spaeth entschließt sich zur Errichtung einer eigenen Eisengießerei und bewirbt sich um die Konzession, gleichzeitig mit einer Konzession zum Betrieb einer Maschinenfabrik, die ihm beide am 19. Januar 1842 erteilt werden, wodurch er sich das Recht erwirbt, das er bis dahin als "Mechanicus" nicht hatte, seine Arbeiten, Maschinen und sonstigen Konstruktionen allein und im ganzen zu liefern und zu bewerten.
1842 Die Gießerei entsteht.
1848 Aufstellung einer Dampfmaschine. - Als weitere Antriebskraft dient eine ausrangierte Dampflokomotive der Ludwigs-Eisenbahn. Die Lok wird aufgebockt, und ihre Antriebsräder drehen eine Transmissionswelle.
1850 Ein erbetenes Darlehn von 15.000 bis 30.000 Gulden wird von der Regierung abgelehnt.
1850 Ein ausgeschriebener Auftrag zur Lieferung von 400 Eisenbahnwaggons geht an den Konkurrenten Cramer-Klett, der auf Massenproduktion spezialisiert ist, während Spaeth eher handwerklich arbeitet und seine Stärken in der Einzelfertigung hat. Er kann bei Preisgestaltung und Lieferterminen nicht mithalten.
1853 Erneut wird ein Darlehn wird von der bayerischen Regierung abgelehnt.
1854 Spaeth erhält auf der "Allgemeinen Deutschen Industrieausstellung" in München zwei Auszeichnungen für einen eisernen Wandkran, eine Klauenpresse sowie einen eisernen Mahlgang. Er führt verschiedene neue Modelle and Maschinen vor; die Ehrungen, die ihm für "eigentümliche Konstruktionen und gute Ausführung, sowie wegen der Vielseitigkeit seiner sonstigen Leistungen" zugedacht waren, erlebt er nicht mehr.
10.08.1854 Tod des Gründers Johann Wilhelm Späth an der Cholera, mit der er sich in München auf der "Allgemeinen Deutschen Industrieausstellung" infiziert hatte.
1854 Nach dem Tod des Gründers übernimmt sein Schwiegersohn Johannes Falk den Betrieb. Falk versteht es , sich den Anforderungen einer neueren Zeit unter Aufrechterhaltung der bewährten alten Überlieferung anzupassen. - Nach dessen Rückzug geht das Unternehmen an seine Schwiegersöhne Eduard und Wilhelm Hammmerbacher sowie Baptist Külp.
1862 Bau einer Gasanstalt nach den Angaben und Plänen von L. A. Riedinger in Augsburg
24.11.1862 Eröffnung der Gasanstalt für die Beleuchtung der Maschinenfabrik
1882 Die Firma wird auf der Ersten Bayerischen Landesausstellung mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet.
1883 Gründung der Johann-Wilhelm-Spaeth-Stiftung. Sie kümmert sich um Arme in der Gemeinde Gleishammer.
1890 Johannes Falk (Schwiegersohn von Joh. Wilhelm Spaeth) zieht sich nach mehr als fünfzigjähriger Tätigkeit von der Leitung des Geschäftes zurück, die von seinen Schwiegersöhnen, W. Hammerbacher und J. B. Külb sowie deren Söhnen übernommen wird.
1893 Beginn des Signal- und Weichenbaues
93 Bisher wurden 580 Eisenbahnbrücken gebaut.
1934 Johann Wolfgang Hammerbacher ist seit dem Tod seiner Mutter in der Firma tätig.
1935 Der "Zweckverband Reichsparteitag Nürnberg" kauft das das Firmengelände zu einem diktierten Preis weit unter Wert.
Ende 1950er Abbruch der Werksanlagen




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Dampfmaschinen 1876 Erste Erwähnung 1876 Letzte Erwähnung 1876: im CIK Nürnberg
Drahtumspinnmaschinen 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)]  
Drahtumspinnmaschinen 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)]  
Drehscheiben 1835 Beginn (für Nürnberg-Fürth) 1940 Letzte Erwähnung 1893: Beginn
Dreschmaschinen 1854 Ausstellung München 1854 Ausstellung München mit Pferdegöpel
Eisenbahnoberbau-Gegenstände 1845 [Preis-Courant]; vmtl. schon ab 1835     Schon für die Ludwigsbahn?
Eisengrauguß 1939 Erste Erwähnung 1940 Letzte Erwähnung wohl schon ab den 1820er/30er Jahren
Hopfenpressen 1939 Erste Erwähnung 1940 Letzte Erwähnung  
Krane 1845 Preis-Courant 1940 Letzte Erwähnung auch auf der Münchener Ausstellung 1854
Maschinen für Drahtfabriken 1827 Beginn ca. 1827 1845 [Preis-Courant]  
Maschinen für Fabakfabriken 1827 Beginn ca. 1827      
Maschinen für Kattunfabriken 1827 Beginn ca. 1827      
Mühlen 1827 Beginn ca. 1827 1854 Ausstellung München [Preis-Courant (1845)]: nach englisch-amerikanischem System; 1854: eiserner Mühlstuhl
Pferdegöpel 1854 Ausstellung München 1854 Ausstellung München zum Dreschmaschinenantrieb
Schützenaufzüge für Wehre 1939 Erste Erwähnung 1940 Letzte Erwähnung  
Schützenaufzüge für Wehre 1939 Erste Erwähnung 1940 Letzte Erwähnung  
Sicherungsanlagen 1893 Beginn 1940 Letzte Erwähnung Keine Eigenkonstruktionen, sondern Zimmermann-und-Buchloh-Lizenz
Signalanlagen 1893 Beginn 1940 Letzte Erwähnung  
Stahlhochbauten 1939 Erste Erwähnung 1940 Letzte Erwähnung  
Wagen-Untergestelle 1835 Beginn (erste 8 für Eisenbahn Nürnberg-Fürth)      
Weichen und Kreuzungen 1893 Erste Erwähnung 1940 Letzte Erwähnung 1893: Beginn




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine 1892 Maschinenfabrik Augsburg AG




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
um 1827 22        
1840 50        
1860 400       "wächst bis auf 400"
1894 140        
vor 1945 100        
Mitte 1950er 35       in Boxdorf




Allgemeines

ZEIT1930
THEMASelbstdarstellung
TEXTVor etwas mehr als 100 Jahren gründete der Nürnberger Mechanicus Joh. Wilhelm Spaeth, der am 14. Juni 1806 als Sohn eines Müllers in Ißmannsdorf im Fürstentum Ansbach das Licht der Welt erblickt hatte dt heute noch bestehende Fabrik gleichen Namens Nachdem er nach gutem altem Brauch das Gewerbe seines Vaters erlernt hatte, begab er sich auf die Wanderschaft, in deren Verlauf er zunächst nach Nürnberg und Schwabach, späterhin nach Schlesien und Preußen und sogar bis an die Waterkant kam. Da er sich überall mit offenen Augen in der Welt umsah, hatte er auch die englischen Maschinen und ihre Vorzüge gegenüber den wenigen deutschen und den noch wenigeren bayerischen Erzeugnissen, die es in damaliger Zeit überhaupt gab, kennen gelernt und dabei wohl auch manche Anregung empfangen. Von seiner Wanderschaft, welche sieben Jahre gedauert hatte, zurückgekehrt, ließ sich Spaeth in Nürnberg als Mühlen- und Maschinenbauer nieder, woselbst er sich schon nach kurzer Zeit einen so guten Ruf erworben hatte, daß er 1820 mit der Leitung der mechanischen Werkstätte, die der neugegründeten Johann Philipp Lobenhofferschen Tuchfabrik in der Vorstadt Wöhrd zwecks Bau der benötigten Maschinen angegliedert worden war, betraut wurde. Nachdem er diese Aufgabe zur vollkommenen Zufriedenheit seiner Auftraggeber vollendet hatte, betrieb er die Werkstätte zunächst auf eigene Rechnung weiter, aber bald wurden ihm die Räume zu eng, so daß er sich nach einer neuen Heimstätte umsehen mußte. Spaeth erwarb daher im Jahr 1825 das zum Kauf ausgebotene, schon 1337 urkundlich erwähnte "Hammer- und Mühlwerk", die Saigerhütte samt Haus und Herberg und anderen Zu- und Eingehörungen am "Dutzendteich" bei Nürnberg. Im Jahre 1832 verlegte er dann den Sitz des Unternehmens, das "als die erste Maschinenbauanstalt in Bayern in der Entwicklung des Fabrik- und Verkehrswesens bahnbrechend vorangehen sollte", in die neu erbaute Werkstätte, in welcher hauptsächlich Mahlmühlen in einer gegen früher wesentlich verbesserten Konstruktion, für welche Spaeth im Jahre 1831 mit einem Staatspreis von 3000 fl. ausgezeichnet worden war, außerdem auch Schleifmaschinen, Drahtzüge, Hopfenpressen usw. hergestellt wurden. Als dann im Jahre 1833 auf Anregung weitblickender Männer eine Aktiengesellschaft zur Erbauung einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gegründet wurde, hatte der Leiter des Unternehmens, der kgl. Bezirksingenieur Denis, der bestrebt war, nach Möglichkeit nur deutsche Erzeugnisse zu verwenden, mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil ja die einheimischen Fabriken keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiete besaßen. Aber auch hier bewährte sich Spaeth auf das beste. Er konstruierte die für den Betrieb notwendigen Drehscheiben, ferner baute er unter Beteiligung einiger Nürnberger und Fürther Wagner-, Schmiede- und Sattlermeister Eisenbahnwaggons und übernahm es auch, die in England bestellte Lokomotive Adler, die wegen etwas günstigerer Verzollung in einzelnen Teilen geliefert wurde, in Dutzendteich zusammenzusetzen, welche schwierige Arbeit so gut gelang, daß schon 17 Tage später die erste Probefahrt auf der Strecke gemacht werden konnte. Inzwischen war in Bayern ein anderes großes Werk zur Ausführung herangereift, der Ludwigs-Donau-Main-Kanal, mit dessen Bau am 1. Juli 1836 begonnen wurde. Auch hier tauchten - die deutsche Technik war eben einer so großen neuartigen Aufgabe noch nicht gewachsen - neue Probleme und Schwierigkeiten auf, aber der auf der Höhe seines Lebens und seiner Arbeitskraft stehende Herr des Dutzendteicher Werkes, der sich selbst als "Maschinenbaumeister" bezeichnete, ließ sich nicht abschrecken und ging alsbald zielbewußt und energisch an diese Hauptaufgabe seines Lebens heran. Er schuf eine Fülle neuer Maschinen und Ausrüstungen, von denen die durch Dampf und Wasserkraft angetriebenen Erdtransportmaschinen in bis dahin noch nicht dagewesenen Abmessungen genannt seien. Hierbei ergaben sich naturgemäß auch manchmal Mißhelligkeiten, z. B. hinsichtlich der Beschaffung und Güte des für die Maschinen benötigten Gußeisens, welches von dem etwa 90 Kilometer entfernten Herzoglich Leuchtenbergschen Hüttenwerk Obereichstätt bezogen wurde. Da er aber ein Mann war, der mit starker Hand alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen wußte, entschloß er sich zur Errichtung einer eigenen Eisengießerei. Er bewarb sich zu Anfang des Jahres 1842 um die Konzession zum Bau der Eisengießerei gleichzeitig mit einer Konzession zum Betrieb einer Maschinenfabrik, die ihm beide am 19. Januar 1842 erteilt wurden, wodurch er sich das Recht erwarb, das er bis dahin als "Mechanicus" nicht hatte, seine Arbeiten, Maschinen und sonstigen Konstruktionen allein und im ganzen zu liefern und zu bewerten. Stets bestrebt, zu lernen und sich weiterzubilden, besuchte der 66jährige Spaeth noch die Londoner Weltausstellung und führte zwei Jahre später - 1854 auf der Ausstellung in München - verschiedene neue Modelle and Maschinen vor; die Ehrungen, die ihm für "eigentümliche Konstruktionen und gute Ausführung, sowie wegen der Vielseitigkeit seiner sonstigen Leistungen" zugedacht waren, hat er aber nicht mehr erlebt, denn er starb nach kurzer Krankheit am 10. August 1854. Nach seinem Tode wurde die Fabrik von seinem 1822 geborenen Schwiegersohne Johannes Falk weitergeführt, der es verstand, sich den Anforderungen einer neueren Zeit unter Aufrechterhaltung der bewährten alten Überlieferung anzupassen. So wurden z. B., als sich in der deutschen Industrie das Bestreben der Arbeitsteilung und Spezialisierung immer mehr durchsetzte, die Mühlenanlagen und anderes aufgegeben, dafür aber auch, soweit sich Bedarf ergab, im Laufe der Zeit neue Abteilungen angegliedert, von denen Weichen- und Brückenbau sowie Signalzentralisierungsanlagen für Bahnhöfe und Ausrüstungen für die elektrochemische Großindustrie genannt seien. Um das Jahr 1890 zog sich Falk, nachdem die Firma inzwischen auf der l. bayerischen Landesausstellung 1882 mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet worden war, nach mehr als fünfzigjähriger Tätigkeit von der Leitung des Geschäftes zurück, die von seinen Schwiegersöhnen, W. Hammerbacher und J. B. Külb sowie deren Söhnen übernommen wurde. Im großen Kriege sah sich die Firma wiederum vor eine neue Aufgabe gestellt. Galt es doch, mit größter Beschleunigung die Umstellung auf die Kriegswirtschaft durchzuführen, obwohl die Werksinhaber und ein Teil der Angestellten und Arbeiter längere oder kürzere Zeit im Felde standen. Noch schwieriger war die Wiederumstellung unter Verhältnissen, die gegen früher weit ungünstiger geworden waren; aber auch diese Aufgabe wurde, obwohl das in einer langen Reihe von Jahren mühsam zusammengetragene Betriebskapital fast restlos verloren ging, unter Einschaltung einer etwa zwei Jahre dauernden Übergangszeit, während welcher hauptsächlich Lokomotiven und Eisenbahnwagen instandgesetzt wurden, schließlich gelöst, so daß heute der Beharrungszustand, wenn auch unter Verringerung der Belegschaft, des Umsatzes und des Ertrages, bei gleichzeitiger Erhöhung der steuerlichen und sozialen Leistungen, im wesentlichen wieder erreicht ist. Hat sich also auch manches gegen früher nicht im vorteilhaften Sinne geändert, so ist doch das Fundament unerschüttert geblieben. Auf diesem aber will der derzeitige Eigentümer des Werkes, ein Urenkel des Gründers, mit Unterstützung seiner Mitarbeiter in Büro und Werkstätte, unter allmählicher Behebung der durch den Krieg und seine Nachwehen entstandenen Schäden, unverzagt weiter bauen, ohne jetzt schon tiefgründige Untersuchungen darüber anzustellen, ob in späterer Zeit industrielle Unternehmungen mittleren Umfanges in Deutschland überhaupt noch imstande sein werden, ihre Selbständigkeit zu behaupten.
QUELLE[Buch der alten Firmen der Stadt Nürnberg (1930) 37]


ZEIT1885 (1930)
THEMAbetriebseigenes Gaswerk (Selbstdarstellung)
TEXTHat eine eigene Privat-Gasanstalt zum Zwecke der Beleuchtung der Fabriklokalitäten, in welchen Maschinenbau betrieben wird, und im Jahre 1862 nach den Angaben und Plänen des Herrn L. A. Riedinger in Augsburg erbaut und am 24. November des gleichen Jahres eröffnet wurde. Die erste Anzahl der Flammen betrug 150 und steigerte sich allmählich bis auf 300 gegenwärtig. Die Produktion betrug im Jahre 1875: 8.780 m³. Betrieb mit böhmischen und sächsischen Steinkohlen. Koks und Teer werden zur Heizung verwendet. Ursprüngliches Anlagekapital 25.715 Mk. (Vor etwas mehr als 100 Jahren gründete der Nürnberger Mechanicus Joh. Wilhelm Spaeth, der am 14. Juni 1806 als Sohn eines Müllers in Ißmannsdorf im Fürstentum Ansbach das Licht der Welt erblickt hatte dt heute noch bestehende Fabrik gleichen Namens Nachdem er nach gutem altem Brauch das Gewerbe seines Vaters erlernt hatte, begab er sich auf die Wanderschaft, in deren Verlauf er zunächst nach Nürnberg und Schwabach, späterhin nach Schlesien und Preußen und sogar bis an die Waterkant kam. Da er sich überall mit offenen Augen in der Welt umsah, hatte er auch die englischen Maschinen und ihre Vorzüge gegenüber den wenigen deutschen und den noch wenigeren bayerischen Erzeugnissen, die es in damaliger Zeit überhaupt gab, kennen gelernt und dabei wohl auch manche Anregung empfangen. Von seiner Wanderschaft, welche sieben Jahre gedauert hatte, zurückgekehrt, ließ sich Spaeth in Nürnberg als Mühlen- und Maschinenbauer nieder, woselbst er sich schon nach kurzer Zeit einen so guten Ruf erworben hatte, daß er 1820 mit der Leitung der mechanischen Werkstätte, die der neugegründeten Johann Philipp Lobenhofferschen Tuchfabrik in der Vorstadt Wöhrd zwecks Bau der benötigten Maschinen angegliedert worden war, betraut wurde. Nachdem er diese Aufgabe zur vollkommenen Zufriedenheit seiner Auftraggeber vollendet hatte, betrieb er die Werkstätte zunächst auf eigene Rechnung weiter, aber bald wurden ihm die Räume zu eng, so daß er sich nach einer neuen Heimstätte umsehen mußte. Spaeth erwarb daher im Jahr 1825 das zum Kauf ausgebotene, schon 1337 urkundlich erwähnte "Hammer- und Mühlwerk", die Saigerhütte samt Haus und Herberg und anderen Zu- und Eingehörungen am "Dutzendteich" bei Nürnberg. Im Jahre 1832 verlegte er dann den Sitz des Unternehmens, das "als die erste Maschinenbauanstalt in Bayern in der Entwicklung des Fabrik- und Verkehrswesens bahnbrechend vorangehen sollte", in die neu erbaute Werkstätte, in welcher hauptsächlich Mahlmühlen in einer gegen früher wesentlich verbesserten Konstruktion, für welche Spaeth im Jahre 1831 mit einem Staatspreis von 3000 fl. ausgezeichnet worden war, außerdem auch Schleifmaschinen, Drahtzüge, Hopfenpressen usw. hergestellt wurden. Als dann im Jahre 1833 auf Anregung weitblickender Männer eine Aktiengesellschaft zur Erbauung einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gegründet wurde, hatte der Leiter des Unternehmens, der kgl. Bezirksingenieur Denis, der bestrebt war, nach Möglichkeit nur deutsche Erzeugnisse zu verwenden, mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil ja die einheimischen Fabriken keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiete besaßen. Aber auch hier bewährte sich Spaeth auf das beste. Er konstruierte die für den Betrieb notwendigen Drehscheiben, ferner baute er unter Beteiligung einiger Nürnberger und Fürther Wagner-, Schmiede- und Sattlermeister Eisenbahnwaggons und übernahm es auch, die in England bestellte Lokomotive Adler, die wegen etwas günstigerer Verzollung in einzelnen Teilen geliefert wurde, in Dutzendteich zusammenzusetzen, welche schwierige Arbeit so gut gelang, daß schon 17 Tage später die erste Probefahrt auf der Strecke gemacht werden konnte. Inzwischen war in Bayern ein anderes großes Werk zur Ausführung herangereift, der Ludwigs-Donau-Main-Kanal, mit dessen Bau am 1. Juli 1836 begonnen wurde. Auch hier tauchten - die deutsche Technik war eben einer so großen neuartigen Aufgabe noch nicht gewachsen - neue Probleme und Schwierigkeiten auf, aber der auf der Höhe seines Lebens und seiner Arbeitskraft stehende Herr des Dutzendteicher Werkes, der sich selbst als "Maschinenbaumeister" bezeichnete, ließ sich nicht abschrecken und ging alsbald zielbewußt und energisch an diese Hauptaufgabe seines Lebens heran. Er schuf eine Fülle neuer Maschinen und Ausrüstungen, von denen die durch Dampf und Wasserkraft angetriebenen Erdtransportmaschinen in bis dahin noch nicht dagewesenen Abmessungen genannt seien. Hierbei ergaben sich naturgemäß auch manchmal Mißhelligkeiten, z. B. hinsichtlich der Beschaffung und Güte des für die Maschinen benötigten Gußeisens, welches von dem etwa 90 Kilometer entfernten Herzoglich Leuchtenbergschen Hüttenwerk Obereichstätt bezogen wurde. Da er aber ein Mann war, der mit starker Hand alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen wußte, entschloß er sich zur Errichtung einer eigenen Eisengießerei. Er bewarb sich zu Anfang des Jahres 1842 um die Konzession zum Bau der Eisengießerei gleichzeitig mit einer Konzession zum Betrieb einer Maschinenfabrik, die ihm beide am 19. Januar 1842 erteilt wurden, wodurch er sich das Recht erwarb, das er bis dahin als "Mechanicus" nicht hatte, seine Arbeiten, Maschinen und sonstigen Konstruktionen allein und im ganzen zu liefern und zu bewerten. Stets bestrebt, zu lernen und sich weiterzubilden, besuchte der 66jährige Spaeth noch die Londoner Weltausstellung und führte zwei Jahre später - 1854 auf der Ausstellung in München - verschiedene neue Modelle and Maschinen vor; die Ehrungen, die ihm für "eigentümliche Konstruktionen und gute Ausführung, sowie wegen der Vielseitigkeit seiner sonstigen Leistungen" zugedacht waren, hat er aber nicht mehr erlebt, denn er starb nach kurzer Krankheit am 10. August 1854. Nach seinem Tode wurde die Fabrik von seinem 1822 geborenen Schwiegersohne Johannes Falk weitergeführt, der es verstand, sich den Anforderungen einer neueren Zeit unter Aufrechterhaltung der bewährten alten Überlieferung anzupassen. So wurden z. B., als sich in der deutschen Industrie das Bestreben der Arbeitsteilung und Spezialisierung immer mehr durchsetzte, die Mühlenanlagen und anderes aufgegeben, dafür aber auch, soweit sich Bedarf ergab, im Laufe der Zeit neue Abteilungen angegliedert, von denen Weichen- und Brückenbau sowie Signalzentralisierungsanlagen für Bahnhöfe und Ausrüstungen für die elektrochemische Großindustrie genannt seien. Um das Jahr 1890 zog sich Falk, nachdem die Firma inzwischen auf der l. bayerischen Landesausstellung 1882 mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet worden war, nach mehr als fünfzigjähriger Tätigkeit von der Leitung des Geschäftes zurück, die von seinen Schwiegersöhnen, W. Hammerbacher und J. B. Külb sowie deren Söhnen übernommen wurde. Im großen Kriege sah sich die Firma wiederum vor eine neue Aufgabe gestellt. Galt es doch, mit größter Beschleunigung die Umstellung auf die Kriegswirtschaft durchzuführen, obwohl die Werksinhaber und ein Teil der Angestellten und Arbeiter längere oder kürzere Zeit im Felde standen. Noch schwieriger war die Wiederumstellung unter Verhältnissen, die gegen früher weit ungünstiger geworden waren; aber auch diese Aufgabe wurde, obwohl das in einer langen Reihe von Jahren mühsam zusammengetragene Betriebskapital fast restlos verloren ging, unter Einschaltung einer etwa zwei Jahre dauernden Übergangszeit, während welcher hauptsächlich Lokomotiven und Eisenbahnwagen instandgesetzt wurden, schließlich gelöst, so daß heute der Beharrungszustand, wenn auch unter Verringerung der Belegschaft, des Umsatzes und des Ertrages, bei gleichzeitiger Erhöhung der steuerlichen und sozialen Leistungen, im wesentlichen wieder erreicht ist. Hat sich also auch manches gegen früher nicht im vorteilhaften Sinne geändert, so ist doch das Fundament unerschüttert geblieben. Auf diesem aber will der derzeitige Eigentümer des Werkes, ein Urenkel des Gründers, mit Unterstützung seiner Mitarbeiter in Büro und Werkstätte, unter allmählicher Behebung der durch den Krieg und seine Nachwehen entstandenen Schäden, unverzagt weiter bauen, ohne jetzt schon tiefgründige Untersuchungen darüber anzustellen, ob in späterer Zeit industrielle Unternehmungen mittleren Umfanges in Deutschland überhaupt noch imstande sein werden, ihre Selbständigkeit zu behaupten.)
QUELLE[Stat. Mitt. Gasanstalten (1885) 181] ([Buch der alten Firmen der Stadt Nürnberg (1930) 37])


ZEIT1885 (1930)
THEMAAnlagen des eigenen Gaswerks (Selbstdarstellung)
TEXTDie Anstalt hat 3 gußeiserne Retorten jede mit eigener Feuerung (0,409 x 0,211 x 1,372 m), 3 gesonderte Vorlagen, l Kondensator mit vierfacher Röhrenleitung, l Scrubber, l Reiniger (Laming'sche Masse), l Stationsuhr, l Gasbehälter mit 70,8 m³ Inhalt. 730 laufende Meter Leitungsröhren von 63 mm lichter Weite. (Vor etwas mehr als 100 Jahren gründete der Nürnberger Mechanicus Joh. Wilhelm Spaeth, der am 14. Juni 1806 als Sohn eines Müllers in Ißmannsdorf im Fürstentum Ansbach das Licht der Welt erblickt hatte dt heute noch bestehende Fabrik gleichen Namens Nachdem er nach gutem altem Brauch das Gewerbe seines Vaters erlernt hatte, begab er sich auf die Wanderschaft, in deren Verlauf er zunächst nach Nürnberg und Schwabach, späterhin nach Schlesien und Preußen und sogar bis an die Waterkant kam. Da er sich überall mit offenen Augen in der Welt umsah, hatte er auch die englischen Maschinen und ihre Vorzüge gegenüber den wenigen deutschen und den noch wenigeren bayerischen Erzeugnissen, die es in damaliger Zeit überhaupt gab, kennen gelernt und dabei wohl auch manche Anregung empfangen. Von seiner Wanderschaft, welche sieben Jahre gedauert hatte, zurückgekehrt, ließ sich Spaeth in Nürnberg als Mühlen- und Maschinenbauer nieder, woselbst er sich schon nach kurzer Zeit einen so guten Ruf erworben hatte, daß er 1820 mit der Leitung der mechanischen Werkstätte, die der neugegründeten Johann Philipp Lobenhofferschen Tuchfabrik in der Vorstadt Wöhrd zwecks Bau der benötigten Maschinen angegliedert worden war, betraut wurde. Nachdem er diese Aufgabe zur vollkommenen Zufriedenheit seiner Auftraggeber vollendet hatte, betrieb er die Werkstätte zunächst auf eigene Rechnung weiter, aber bald wurden ihm die Räume zu eng, so daß er sich nach einer neuen Heimstätte umsehen mußte. Spaeth erwarb daher im Jahr 1825 das zum Kauf ausgebotene, schon 1337 urkundlich erwähnte "Hammer- und Mühlwerk", die Saigerhütte samt Haus und Herberg und anderen Zu- und Eingehörungen am "Dutzendteich" bei Nürnberg. Im Jahre 1832 verlegte er dann den Sitz des Unternehmens, das "als die erste Maschinenbauanstalt in Bayern in der Entwicklung des Fabrik- und Verkehrswesens bahnbrechend vorangehen sollte", in die neu erbaute Werkstätte, in welcher hauptsächlich Mahlmühlen in einer gegen früher wesentlich verbesserten Konstruktion, für welche Spaeth im Jahre 1831 mit einem Staatspreis von 3000 fl. ausgezeichnet worden war, außerdem auch Schleifmaschinen, Drahtzüge, Hopfenpressen usw. hergestellt wurden. Als dann im Jahre 1833 auf Anregung weitblickender Männer eine Aktiengesellschaft zur Erbauung einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gegründet wurde, hatte der Leiter des Unternehmens, der kgl. Bezirksingenieur Denis, der bestrebt war, nach Möglichkeit nur deutsche Erzeugnisse zu verwenden, mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil ja die einheimischen Fabriken keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiete besaßen. Aber auch hier bewährte sich Spaeth auf das beste. Er konstruierte die für den Betrieb notwendigen Drehscheiben, ferner baute er unter Beteiligung einiger Nürnberger und Fürther Wagner-, Schmiede- und Sattlermeister Eisenbahnwaggons und übernahm es auch, die in England bestellte Lokomotive Adler, die wegen etwas günstigerer Verzollung in einzelnen Teilen geliefert wurde, in Dutzendteich zusammenzusetzen, welche schwierige Arbeit so gut gelang, daß schon 17 Tage später die erste Probefahrt auf der Strecke gemacht werden konnte. Inzwischen war in Bayern ein anderes großes Werk zur Ausführung herangereift, der Ludwigs-Donau-Main-Kanal, mit dessen Bau am 1. Juli 1836 begonnen wurde. Auch hier tauchten - die deutsche Technik war eben einer so großen neuartigen Aufgabe noch nicht gewachsen - neue Probleme und Schwierigkeiten auf, aber der auf der Höhe seines Lebens und seiner Arbeitskraft stehende Herr des Dutzendteicher Werkes, der sich selbst als "Maschinenbaumeister" bezeichnete, ließ sich nicht abschrecken und ging alsbald zielbewußt und energisch an diese Hauptaufgabe seines Lebens heran. Er schuf eine Fülle neuer Maschinen und Ausrüstungen, von denen die durch Dampf und Wasserkraft angetriebenen Erdtransportmaschinen in bis dahin noch nicht dagewesenen Abmessungen genannt seien. Hierbei ergaben sich naturgemäß auch manchmal Mißhelligkeiten, z. B. hinsichtlich der Beschaffung und Güte des für die Maschinen benötigten Gußeisens, welches von dem etwa 90 Kilometer entfernten Herzoglich Leuchtenbergschen Hüttenwerk Obereichstätt bezogen wurde. Da er aber ein Mann war, der mit starker Hand alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen wußte, entschloß er sich zur Errichtung einer eigenen Eisengießerei. Er bewarb sich zu Anfang des Jahres 1842 um die Konzession zum Bau der Eisengießerei gleichzeitig mit einer Konzession zum Betrieb einer Maschinenfabrik, die ihm beide am 19. Januar 1842 erteilt wurden, wodurch er sich das Recht erwarb, das er bis dahin als "Mechanicus" nicht hatte, seine Arbeiten, Maschinen und sonstigen Konstruktionen allein und im ganzen zu liefern und zu bewerten. Stets bestrebt, zu lernen und sich weiterzubilden, besuchte der 66jährige Spaeth noch die Londoner Weltausstellung und führte zwei Jahre später - 1854 auf der Ausstellung in München - verschiedene neue Modelle and Maschinen vor; die Ehrungen, die ihm für "eigentümliche Konstruktionen und gute Ausführung, sowie wegen der Vielseitigkeit seiner sonstigen Leistungen" zugedacht waren, hat er aber nicht mehr erlebt, denn er starb nach kurzer Krankheit am 10. August 1854. Nach seinem Tode wurde die Fabrik von seinem 1822 geborenen Schwiegersohne Johannes Falk weitergeführt, der es verstand, sich den Anforderungen einer neueren Zeit unter Aufrechterhaltung der bewährten alten Überlieferung anzupassen. So wurden z. B., als sich in der deutschen Industrie das Bestreben der Arbeitsteilung und Spezialisierung immer mehr durchsetzte, die Mühlenanlagen und anderes aufgegeben, dafür aber auch, soweit sich Bedarf ergab, im Laufe der Zeit neue Abteilungen angegliedert, von denen Weichen- und Brückenbau sowie Signalzentralisierungsanlagen für Bahnhöfe und Ausrüstungen für die elektrochemische Großindustrie genannt seien. Um das Jahr 1890 zog sich Falk, nachdem die Firma inzwischen auf der l. bayerischen Landesausstellung 1882 mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet worden war, nach mehr als fünfzigjähriger Tätigkeit von der Leitung des Geschäftes zurück, die von seinen Schwiegersöhnen, W. Hammerbacher und J. B. Külb sowie deren Söhnen übernommen wurde. Im großen Kriege sah sich die Firma wiederum vor eine neue Aufgabe gestellt. Galt es doch, mit größter Beschleunigung die Umstellung auf die Kriegswirtschaft durchzuführen, obwohl die Werksinhaber und ein Teil der Angestellten und Arbeiter längere oder kürzere Zeit im Felde standen. Noch schwieriger war die Wiederumstellung unter Verhältnissen, die gegen früher weit ungünstiger geworden waren; aber auch diese Aufgabe wurde, obwohl das in einer langen Reihe von Jahren mühsam zusammengetragene Betriebskapital fast restlos verloren ging, unter Einschaltung einer etwa zwei Jahre dauernden Übergangszeit, während welcher hauptsächlich Lokomotiven und Eisenbahnwagen instandgesetzt wurden, schließlich gelöst, so daß heute der Beharrungszustand, wenn auch unter Verringerung der Belegschaft, des Umsatzes und des Ertrages, bei gleichzeitiger Erhöhung der steuerlichen und sozialen Leistungen, im wesentlichen wieder erreicht ist. Hat sich also auch manches gegen früher nicht im vorteilhaften Sinne geändert, so ist doch das Fundament unerschüttert geblieben. Auf diesem aber will der derzeitige Eigentümer des Werkes, ein Urenkel des Gründers, mit Unterstützung seiner Mitarbeiter in Büro und Werkstätte, unter allmählicher Behebung der durch den Krieg und seine Nachwehen entstandenen Schäden, unverzagt weiter bauen, ohne jetzt schon tiefgründige Untersuchungen darüber anzustellen, ob in späterer Zeit industrielle Unternehmungen mittleren Umfanges in Deutschland überhaupt noch imstande sein werden, ihre Selbständigkeit zu behaupten.)
QUELLE[Stat. Mitt. Gasanstalten (1885) 181] ([Buch der alten Firmen der Stadt Nürnberg (1930) 37])