Zuckerfabrik Rheingau AG

Allgemeines

FirmennameZuckerfabrik Rheingau AG
OrtssitzWorms (Rhein)
StraßeMainzer Landstr. 116
Postleitzahl675xx
Art des UnternehmensZuckerfabrik
AnmerkungenGegründet als bäuerliche Zuckerfabrik, als "Kampffabrik" gegen bestehenden Fabriken. Zweck: Herstellung von Zucker, dessen Verkauf, Verwertung der sich ergebenden Nebenerzeugnisse, Betrieb der Landwirtschaft. Haupterzeugnisse: Rohzucker, Melasse, Steffenschnitzel. 1920 Interessengemeinschaft mit Frankenthal, Waghäusel usw. auf 50 Jahre. Später zur Südzucker.
Quellenangaben[Pohl: Südzucker (1987) 58] [Weise & Monski: Duplex-Dampfpumpen für Zuckerfabriken] [Handbuch Akt.-Ges. (1943) 3839]
Hinweise[Verband Hess.-Pfälz. Zuckerrübenanbauer: 100 Jahre gemeinsam für Rübe und Zucker (2011) 52]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
02.12.1911 1911 spitzt sich des Mißverhältnis zwischen Rüben- und Rohzuckerpreisen zu, nachdem es infolge großer Trockenheit zu einer Missernte gekommen war, die Fabriken sich aber nach wie vor weigern, trotz bedeutender Betriebsüberschüsse und Dividenden von 17 - 25 % an die Aktionäre einen angemessenen Rübenpreis zu zahlen. Am 2. Dezember schließen sich daher rheinhessische und pfälzische Zuckerrübenanbauer in Worms zu einem Rübenanbauerverband zusammen mit dem Ziel, künftig ihre Interessen, vor allem gegenüber den Zuckerfabriken, gemeinsam zu vertreten und den Zuckerrübenanbau auf allen Gebieten zu fördern.
08.03.1913 Auf einer sehr gut besuchten Versammlung nassauischer Rübenpflanzer in Kriftel wird einstimmig die Gründung eines Zweigvereins Nassau beschlossen. Aus der sofortigen Vorstandswahl geht dabei Georg Cristian (Unter-Liederbach) als Vorsitzender und Johann Jakobi IV. (Kriftel) als stellvertretender Vorsitzender hervor. In Heilbronn und Stuttgart schließen sich ebenfalls Zuckerrübenanbauer aus den umliegenden Gegenden zusammen und fassen eine ähnliche Resolution
wie in Worms. Damit sind in allen Gebieten, die Zuckerrüben für die vereinigten süddeutschen Fabriken anbauen, auch Vereinigungen der Rübenpflanzer gebildet.
08.07.1913 Die Vereinigung rübenanbauender Landwirte verpflichtet sich, auf die Dauer von 10 Jahren mindestens 3.000 ha Zuckerrüben anzubauen.
Juli/August 1913 In einer Aufklärungskampagne der Vereinigung in Rheinhessen und in der Pfalz wird die Anbauverpflichtung, auf die Dauer von 10 Jahren mindestens 3.000 ha Zuckerrüben anzubauen. restlos untergebracht.
13.10.1913 Aufnahme in das Handelsregister
16.10.1913 Gegründet als Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 2.330.000 Mark als "Kampffabrik" gegenüber den alten Zuckerfabriken. Die Finanzierung der Zuckerfabrik Rheingau wird nicht durch bäuerliches, sondern überwiegend durch holländisches Kapital sichergestellt.
1914-1915 Der Bau der Fabrik und der gesamten Einrichtung wird der Maschinenfabrik Grevenbroich übertragen.
1914 Die Fabrik ist seit 1914 in Betrieb. - Durch die Einberufung des Geschäftsführers Gustav Bauer sowie vieler Vorstands-, Ausschuß- und Vertrauensmänner zum Kriegsdienst wird die Verbandsaktivität jedoch in den Folgejahren stark gemindert.
Sept. 1914 Geplanter Termin für die Inbetriebsetzung. Die Fabrik ist für eine tägliche Verarbeitung von 30.000 Ztr. ausgelegt.
07.02.1915 Bei der Generalversammlung der Vereinigung wird festgestellt, daß die erste Kampagne der neuen bäuerlichen Fabrik erfolgreich verlaufen und die Auszahlung der Rübengelder zur vollen Zufriedenheit der Landwirte ausgefallen ist. - Die finanzielle Besserstellung der Rheingauer Lieferanten gegenüber Lieferanten anderer Zuckerfabriken wirkt sich denn auch besonders während der Kriegszeit dahingehend aus, daß der Rübenanbau in der Region konstant bleibt, während andere Fabrikgebiete einen deutlichen Anbaurückgang zu verzeichnen haben.
06.07.1918 Auf der 5. ordentlichen Generalversammlung der Zuckerfabrik wird das Ausscheiden der holländischen Investoren aus der Gesellschaft bekannt gegeben, was die Landwirte zunächst begrüßen, zumal damit vormals in holländischer Hand befindliches Aktienkapital in deutsche Hände übergeht.
25.07.1918 Das Abendblatt der Wormser Zeitung teilt mit, daß die Aktienmehrheit von der "Badischen Gesellschaft für Zuckerfabrikation Waghäusel" erworben worden sei und damit in die Hände einer der Fabriken gefallen ist, der man sich ursprünglich mit der "Kampffabrik Rheingau" hatte entgegen stellen wollen. Durch diese Ereignisse erleidet die Vereinigung zum zweiten Mal seit ihrem nunmehr siebenjährigen Bestehen einen schweren Rückschlag.
1919 Übernahme des holländischen Aktienpakets durch die Süddeutsche Disconto-Gesellschaft
1920 Erhöhung des Kapitals um M 6.990.000,00
1921 Kapitalerhöhung um M 4.660.000,00
1922 Das Kapital wird um M 64.308.000,00 erhöht.
15.11.1923 Umstellung der Währung auf Rentenbasis / Kapitalumstellung: 3.131.520 Stammaktien in Goldmark
1925 Umstellung des Kapitals von M 78.288.000,00 auf RM 3.131.520,00
1930 Herabsetzung des Kapitals um RM 520,00 auf RM 3.131.000,00
1930 Die Börsen-Notiz in Berlin und Frankfurt (Main) ist seither eingestellt.
29.08.1941 Lt. Beschluß des Aufsichtsrats vom 29. August 1941 Kapitalberichtigung gemäß DAV vom 12. Juni 1941 um 60 % von RM 3.131.000,00 auf RM 5.009.600,00. Die zur Durchführung der Berichtigung erforderlichen Beträge werden gewonnen aus der freien Rücklage mit Reichsmark 457.621,13, aus dem Gewinnvortrag mit RM 15.231,99, aus der Zuschreibung zum Anlagevermögen einschl. Beteiligungen mit RM 1.230 611.91 und der Erhöhung der Erzeugnisse mit RM 362 994.97.
30.10.1941 Lt. Hauptversammlung vom 30. Oktober 1941 Kapitalsherabsetzung um RM 9.600,00 auf RM 5.000.000,00
26.08.1943 Letzte ordentliche Hauptversammlung bis 1943/44
1955 Abschluß eines Organvertrags der Südzucker AG mit der Tochtergesellschaft Zuckerfabrik Rheingau AG, Worms
Okt. 1958 Die Hauptversammlung beschließt die Umwandlung der Gesellschaft durch Übertragung des Vermögens auf die Süddeutsche Zucker-Aktiengesllschaft als alleinige Gesellschafterin
1975 Stillgelegt




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Zucker 1914 errichtet 1914/15 1975 stillgelegt  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfpumpe   Weise & Monski, Special-Fabrik für Pumpen aller Art




Allgemeines

ZEIT1943
THEMAOrgane und Kapital der Gesellschaft
TEXTVorstand: Komm.-Rat Dipl.-Ing. Konrad Schumacher, Neu-Offstein (Pfalz). Aufsichtsrat: Fabrikdir. Jakob Bühler, Waghäusel, Vorsitzer; Gutsbesitzer Philipp Wolf, Albig, stellv. Vorsitzer; Fabrikdirektor a D. Dr. h. c. Bruno Seeliger, Stuttgart-Bad Cannstatt; Ministerialrat i. R. Gustav Bauer, Darmstadt; Rechtsanwalt Dr. Paul Beyer, Berlin; Dr. Hermann Hollenberger, Fabrikdirektor, Zeppelinheim bei Frankfurt (Main); Johann Weintz, Bauer, Armsheim. Stimmrecht: Je nom. RM 1.000,00 Aktie l Stimme. Geschäftsjahr: 1. März bis ult. Februar. Grundkapital: nom. RM 5.000.000,00 Stammaktien in 3600 Stücken zu je RM 1.000,00 (Nr. 1-3600) und in 350 Stücken zu je RM 4.000,00 (Nr. 17 369-17 718). Großaktionär: Süddeutsche Zucker-A.-G., Mannheim. Die Gesellschaft gehört zum Interessenbereich der Süddeutschen Zucker A.-G. in Mannheim. Dividenden ab 1935/36: 10, 8, 8, 8, 8, 8, 5*), ? %; *) auf das um 60 % berichtigte Kapital.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 3839]


ZEIT1943
THEMABesitzverhältnisse
TEXTAnlagen: Zuckerfabrik Worms: Gebäude und maschinelle Einrichtungen für Verarbeitung von Rüben auf Rohzucker mit Hilfs- und Nebenbetrieben; Trocknung von frischer. Rüben, Schnitzeltrocknung und Herstellung von Melassefutter. Die Fabrik ist seit 1914 in Betrieb. Sie ist sowohl für die Arbeit nach dem Auslaugeverfahren wie für die Arbeit nach dem Brühverfahren (Steffen) eingerichtet.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 3839]


ZEIT1920
THEMAInteressengemeinschaft Süddeutscher Zuckerfabriken
TEXTMit den Werken Waghäusel und Züttlingen - mit Mehrheitsbeteiligung an der Zuckerfabrik Rheingau AG, Worms), die Zuckerfabrik Frankenthal AG (mit den Werken Frankenthal, Regensburg, Friedensau und Gernsheim), die Zuckerfabrik Heilbronn AG, die Zuckerfabrik Stuttgart AG (mit Mehrheitsbeteiligung an der Zuckerfabrik Groß-Umstadt GmbH) sowie die Zuckerfabrik Offstein AG (mit den Werken Offstein und Groß-Gerau). Ziel dieser Gemeinschaft ist es, durch
eine einheitliche Führung der Betriebe und einen gegenseitigen Gewinn/Verlust-Ausgleich auch schwierige Zeiten
zu überdauern, ohne dabei jedoch die Selbständigkeit der einzelnen Gesellschaften aufzugeben.
QUELLE[Verband Hess.-Pfälz. Zuckerrübenanbauer: 100 Jahre gemeinsam für Rübe und Zucker (2011) 58]