Dampfkessel- und Gasometer-Fabrik Akt.-Ges., vorm A. Wilke & Co.

Allgemeines

FirmennameDampfkessel- und Gasometer-Fabrik Akt.-Ges., vorm A. Wilke & Co.
OrtssitzBraunschweig
StraßeFrankfurter Str. 3
Postleitzahl38122
Art des UnternehmensDampfkessel- und Gasometerfabrik
AnmerkungenBis 1881 unter der Firma "A. Wilke & Co.". Besitzer (um 1892): Aktien-Gesellschaft. Direkt.: Ad. Pfeifer. Prok.: Rich. Steinmeyer u. Ad. Nebel. Grundfläche des alten Werks 14.000 qm; zweites Werk (um 1898) in der Nähe des ersten mit einer Grundfläche von 30.000 qm, wovon 7.900 qm überbaut sind. Ab 1936: "Wilke-Werke Aktiengesellschaft" (s.d.)
Quellenangaben[Mengebier: Dampfkesselfabr. (1905)] [Adressbuch Elektr.-Branche (1892) 36] [Bettgenhäuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 138] [100 Jahre Wilke-Werke (1956)]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1856 Schlossermeister August Wilke gründet im Hause "Wüsteworth" zu Braunschweig einen Schlossereibetrieb mit einem Gehilfen.
1859 Schon drei Jahre nach der Gründung reicht die kleine Werkstatt im Hause "Wüstewörth" für die wachsenden Aufgaben nicht mehr aus, und der Betrieb siedelt zum "Hof von Bayern" um.
1861 Gründung der Kesselschmiede und Gasometerfabrik "A. Wilke & Co."
1862 Schlossermeister Wilke bezieht eine größere Werkstatt im eigenen Hause an der Güldenstraße.
1864 Bau der ersten Eisenbahnbrücke. - Ihr folgt eine Reihe weiterer Brücken.
1865 Das nunmehr schon recht ansehnliche Fabrikunternehmen zieht auf das Gelände an der Frankfurter Straße.
1865 Seither unter der Firma "A. Wilke, Maschinenfabrik"
1868 W. Kemmer tritt in die Firma ein, die von jetzt ab unter dem Namen "A. Wilke & Comp." weitergeführt wird und sich mit der Herstellung von Blecharbeiten, Gasbehältern, Dampfkesseln, Stahlkonstruktionen und Brücken befaßt.
um 1874 Der Bau von Gasbehältern wird aufgenommen. Der erste wird nach Bremen geliefert. - Hannover, Dresden und Breslau schließen sich an. Mit Kesselschmiedearbeiten und Blechkonstruktionen aller Art sowie mit Dampfkesseln beliefert das Unternehmen die aufstrebenden Industriebetriebe.
14.06.1881 Umwandlung von "A. Wilke & Co.", die wegen ungenügenden Kapitals in Zahlungsschwierigkeiten geriet, in die Aktiengesellschaft "Dampfkessel- und Gasometer-Fabrik Akt.-Ges., vorm A. Wilke & Co." mit einem Grundkapital von 400.000 Mark. Teils um das eingeschossene Kapital zu retten, teils um die an sich gesunden Produktionsverhältnisse der Fabrik weiter auszunutzen, gründen die bei dem Vorgängerunternehmen beteiligten Firmen: Kreditanstalt Braunschweig, N. S. Nathalion Nachf., Braunschweig, und Schulz-Knaudt-Essen diese Aktiengesellschaft, von der der Betrieb der Wilke'schen Fabrik weitergeführt wird. Den ersten Vorstand bilden August Wilke, Adolf Pfeifer und W. Kemmer.
1881/1882 Der Umsatz im Geschäftsjahr 1881/82 beträgt 440.000 Mark. Es werden 5 Prozent Dividende ausgeschüttet.
1884 August Wilke scheidet aus der Gesellschaft aus und gründet auf dem Nachbargrundstück eine neue Fabrik unter dem Namen "A. Wilke, Maschinenfabrik". - Sie geht später ein. Mit dem Ausscheiden von August Wilke endet jeglicher Einfluß der Familie Wilke auf das Unternehmen.
1885 Lieferung der Dachkonstruktion für den Hauptbahnhof in Frankfurt
1885 Im Auftrag der Maschinenkommission für Hafenbau zur Verbindung der Ems und Jade wird eine bedeutende Kanalbrücke
fertiggestellt.
1887 Mit der 1887 beginnenden allgemeinen Besserung der Verhältnisse in der Eisen- und Zuckerindustrie nimmt auch die
Dampfkessel- und Gasometerfabrik wieder einen neuen Aufschwung.
1887/1888 Der Umsatz im Geschäftsjahr 1887/88 beträgt 587.000 Mark. Es werden 6 Prozent Dividende ausgeschüttet.
Gj. 1886/87 In diesem Geschäftsjahr macht der Exportanteil ein Fünftel des Gesamtumsatzes aus. - Angesichts dieser Entwicklung erweisen sich die Fabrikanlagen an der Frankfurter Straße als unzureichend. Bei einem jährlichen Umschlag von 5500 Tonnen (Ein- und Ausgang) fehlt vor allem ein Gleisanschluß.
1888 W. Kemmer beendet seine Tätigkeit, und Adolf Pfeifer übernimmt die Leitung als alleiniger Vorstand.
1889 Eine der bedeutendsten Leistungen von Wilke in Braunschweig auf dem Gebiet der Gasversorgung ist der Bau des größten Gasbehälters für die Stadt Berlin (Fassungsvermögen: 56.000 cbm).
1889 Die mengenmäßige Ausbringung erreicht in diesem Jahr erstmalig 2000 Tonnen. Beachtlich ist vor allem der bedeutende Aufschwung des Gasbehältergeschäftes.
1890 Die Gesellschaft entschließt sich, den Bau eines patentierten Wasserrohrkessels aufzunehmen
1890 Erhöhung des Aktienkapitals von 400.000,00 auf 500.000,00 Mark
1890 In diesem Jahr werden 19 Brücken gebaut
1891/1892 Der Umsatz im Geschäftsjahr 1891/92 beträgt 802.000 Mark. Es werden 10 Prozent Dividende ausgeschüttet.
1892 Wilke (Braunschweig) baut einen Gasbehälter mit 10.000 cbm Inhalt in Konstantinopel
1892 Wilke (Braunschweig) baut einen Gasbehälter mit 28.000 cbm Inhalt in München
ab 1894 Weitere Ausdehnung des Gasbehältergeschäftes, die durch die Erfindung von Dr. Auers Gasglühlicht im Jahre 1894 und den dadurch enorm gesteigerten Gasverbrauch ausgelöst wird.
1895 Die Bestellungen von Dampfkesseln und Blecharbeiten gehen infolge der verschlechterten Verhältnisse in der Zuckerbranche spärlicher ein. Dennoch nimmt die gedeihliche Entwickelung des Werkes ihren ungestörten Fortgang, da wegen der durch die Einführung der Auerbrenner und der Verwendung des Gases zu Koch- und Heizzwecken bedingten günstigen Lage der Gas-Industrie der Schwerpunkt der Fabrikation nunmehr auf den Bau von Gasbehältern gelegt wird.
1896/1897 Der Umsatz im Geschäftsjahr 1896/97 beträgt 1.100.000 Mark. Es werden 7 Prozent Dividende ausgeschüttet.
1896 Bau des Aussichtsturms auf der Josephshöhe bei Stolberg durch Wilke in Braunschweig
23.12.1896 Es wird beschlossen, das Werksgelände in der Bahnhofstraße 15 a, das der Braunschweigischen Kreditanstalt gehört, zu erwerben und die Fabrik dorthin zu verlegen.
1897/1898 Es werden 12 Prozent Dividende ausgeschüttet. Der Umsatz im Geschäftsjahr 1897/98 beträgt 1.500.000 Mark. Davon entfallen auf die Ausführung von Gasbehältern 750.000 Mark, Maschinen aller Art (z.B. Blechbearbeitung) 300.000 Mark, Eisenkonstruktionen (Brücken, Dächer) 150.000 Mark, Dampfkesseln 200.000 Mark, Apparaten (z.B. Trockenapparaten für die Zement-, Ziegel- und Kalkindustrie) 100.000 Mark.
1898 In der Nähe des ersten Werks wird ein zweites eingerichtet, mit einer Grundfläche von 30.000 qm, wovon 7.900 qm überbaut sind. Beide Werke sind mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet, Werk II auch mit Anschlußgleis und einer Centesimalwaage für Eisenbahnwaggons.
1899 Erhöhung des Aktienkapitals von 500.000,00 Mark um weitere 600.000,00 Mark auf 1.100.000,00 Mark
1900 Das Werk Frankfurter Straße wird, da es dem Umfange und der Ausdehnung des Geschäftes nicht mehr entsprach, aufgegeben und die gesamte Fabrikation im Jahre 1900 nach dem neuen mit großen Grundflächen versehenen Werk übergeführt.
1900 Produktion im neuen, mit großen Grundflächen versehenen Werk Bahnhofstr. 15a
1900 Die Belegschaäft wächst auf 520 Personen und die Ausbringung auf nahezu 5000 Tonnen jährlich an.
1900 Erhöhung des Aktienkapitals von 1.100.000,00 Mark um nochmals 500.000,00 Mark auf 1.600.000,00 Mark
01.05.1900 Ingenieur Richard vom Feld tritt in das Unternehmen ein. - Er wird später Direktor
Anfang 1901 Die Verlegung des Werkes ist Anfang des Jahres vollzogen.
um 1901 Nach der Umsiedlung ins neue Werk zeichnet sich eine schwere Krise ab. Die hohen Aufwendungen für die Verlegung des Betriebes, das unrationelle Arbeiten an zwei Stellen in der Übergangszeit, dazu eine plötzliche allgemeine Verschlechterung der Geschäftslage, verbunden mit einer starken Entwertung der Vorräte, wirken zusammen. Das Unternehmen arbeitet mit Unterbilanz. Direktor Adolf Pfeifer scheidet aus der Gesellschaft aus.
01.04.1901 Der Buchwert der Anlagen beträgt 1,38 Millionen Mark
1902 Ingenieur Max Pallenberg als technischer Direktor, Kaufmann Heinrich Prieger als kaufmännischer Direktor übernehmen die Unternehmensleitung. - Der Arbeit dieser beiden Männer ist es zu verdanken, daß die Krise überwunden und die Voraussetzungen für eine stetige Weiterentwicklung des Unternehmens geschaffen werden. Insbesondere ist es Max Pallenberg, der als ausgezeichneter Fachmann auf dem Gebiete des Gasbehälterbaues diesen zu dieser Zeit wesentlichsten Teil des Unternehmens weiter entwickelt.
Gj. 1902/03 Schon im ersten Geschäftsjahr unter der neuen Führung durch Pallenberg und Prieger kann die mengenmäßige Produktionsleistung, allerdings bei sehr gedrückten Preisen, wieder auf 5.000 Tonnen gebracht und ein weiteres Anwachsen des Verlustes durch einschneidende Senkung der Unkosten abgedrosselt werden.
1905 Der kaufmännische Direktor Prieger scheidet aus.
1906 Friedrich Dübel wird kaufmännisches Vorstandsmitglied und Nachfolger von Direktor Prieger.
1908 Geschäfte der Braunschweiger Siemens-Niederlassung mit den Firmen "Amme, Gieseke & Konegen" (MIAG), den Luther-Werken, den Wilke-Werken sowie mit verschiedenen Zuckerfabriken gewinnen für die Braunschweiger Niederlassung an Bedeutung.
1909 Inbetriebnahme einer eigenen Kraftzentrale
1912 Richard vom Feld wird Oberingenieur
31.03.1919 Die Zugänge zum Buchwert der Anlagen seit 1901 (Wert: 1,38 Millionen Mark) betragen 2,17 Millionen Mark, die Abschreibungen 2,68 Mio Mark
1921 Friedrich Dübel scheidet aus Gesundheitsrücksichten aus der Firma aus. Hans Walther Schulfe übernimmt seine Stelle.
1921 Richard vom Feld wird zum stellvertrenden Direktor ernannt.
1921 Kaufmann Hans Walther Schulte tritt ein. Er wird kaufmännischer Direktor
1923 In den Inflationsjahren finden mehrere Kapitalerhöhungen bis zu dem im Jahre 1923 erreichten Höchststand von 15 Millionen Mark statt. Das Kapital wird in der Goldmarkeröffnungsbilanz auf 1.605.000,00 Goldmark zurückgeführt.
1927 Neubau einer Hammerschmiede (Inbetriebnahme 1928)
1927 Max Pallenberg wird in Würdigung seiner Verdienste auf dem Gebiet des Gasbehälterbaues von der Technischen Hochschule Braunschweig die Ehrendoktorwürde verliehen.
1928 Dr.-Ing. E. h. Max Pallenberg verstirbt plötzlich an einem Herzschlag.
1929 Leistungssteigerung des Werks durch Ausbau der Kesselschmiede
1929 Richard vom Feld wird technischer Direktor als Nachfolger von M Pallenberg.
1929 Der Bau von vollständigen Mineralölverarbeitungsanlagen wird aufgenommen.
1930-1932 Der technische Direktor widmet sich mit großem Erfolg dem Fachgebiet Mineralöllagerung und -Verarbeitung, so daß gerade dieser Zweig in den schlechten Jahren 1930 - 1932 auf Grund großer Auslandsaufträge die schwierige Geschäftslage überstehen hilft.
06.10.1931 Es wird von der durch Notverordnung vom 6. Oktober 1931 gegebenen Möglichkeit der "Kapitalherabsetzung in erleichterter Form" Gebrauch gemacht und das Aktienkapital im Verhältnis 4 : 3 von 1.605.000,00 RM auf 1.205.000,00 RM herabgesetzt. Damit werden die in den Anlagewerten enthaltenen stillen Reserven weiter verstärkt.
1932-1933 Im Laufe des Geschäftsjahres 1932/33 zahlt die Gesellschaft die Anleihe von $ 50.000,00 zurück, ohne daß die gute Liquidität beeinflußt wird.
14.10.1932 Laut. Hauptversammlungsbeschluß vom 14. Oktober 1932 wird das Grundkapital in erleichterter Form von RM 1.605.000,00 um RM 400.000,00 auf RM 1.205.000,00 durch Zusammenlegung des Stammaktienkapitals im Verhältnis 4 : 3 herabgesetzt. Die gesetzliche Rücklage wird um einen Teilbetrag in Höhe von RM 40.000,00 aufgelöst. Der sich hieraus ergebende Buchgewinn von RM 440.000,00 wird mit RM 230.000,00 zur Wertminderung der Grundstücke und mit RM 210.000,00 auf Gebäude verwandt.
Gj. 1933/34 In diesem Geschäftsjahr kann die zwei Jahre lang unterbrochene Dividendenzahlung wieder aufgenommen werden.
1935 Ausbau der neuen Maschinenbauwerkstatt
1936 Errichtung eines Wohlfahrtsgebäudes mit großen Luftschutzräumen
1936 Vergrößerung der Stahlbauabteilung
30.07.1936 Laut Hauptversammlungsbeschluß vom 30. Juli 1936 wird die Firma geändert aus "Dampfkessel- und Gasometerfabrik vormals A. Wilke & Comp." in "Wilke-Werke Aktiengesellschaft", da der bisherige Name für die Produktion des Unternehmens nicht erschöpfend und für die Werbung hinderlich ist.




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Dampfkessel 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1905 [Mengebier (1905)]  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine 1909 Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, Werk Nürnberg




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
1881 Dampfmaschinen 2   ? Leistung 45 PS    
1898 Dampfmaschinen 7   ? Leistung 220 PS    




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1881 79 70 9   3 Ingenieure, 2 Werkmeister, 4 kaufmännische Beamte, ca. 70 Arbeiter
1891   154 4   4 Werkmeister. Lohnsummer: 158.000 Mark
1898   470     Darunter 25 Monteure, 180 gelernte Schlosser und Dreher und 100 Kesselschmiede. Lohnsumme: 420.000 Mark
1900 520        




Produktionszahlen

Zeitraum Produkt Menge Einheit
1881 1881 Dampfkessel und Blecharbeiten 500   t
1881 1881 Gasbehälter 300   t
1881 1881 Eisenkonstruktionen 300   t
1881 1881 Maschinen 100   t




Firmen-Änderungen, Zusammenschüsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1936 Umbenennung danach Wilke-Werke Aktiengesellschaft Dampfkessel ... --> Wilke-Werke




Allgemeines

ZEIT1887
THEMAEntwicklung
TEXTDass das Unternehmen auf einer gesunden Basis beruhte, hat der Erfolg gelehrt. In den achtzehn Jahren des Bestehens.
der Fabrik hat sich der Umsatz fast verfünffacht, die Arbeiterzahl ist fast um das Sechsfache gestiegen. Diese günstige Entwicklung verdankt das Werk einmal dem Aufblühen unserer Zucker-Industrie, in der es wenigstens anfangs die Hauptabnehmerin erblickte, sodann aber der durch stets verbesserte Betriebseinrichtungen bedingten eigenen Leistungsfähigkeit und der Vielseitigkeit in der Fabrikation, durch die die Abhängigkeit von der jeweiligen Lage einzelner Industriezweige vermindert wurde. Die ersten Jahre des neuen Unternehmens fielen allerdings in jene für die gesamte Eisenindustrie so schwierige Periode, die durch einen äußerst niedrigen Preisstand für Rohmaterial und
Fabrikat und durch eine allgemeine Geschäftsflauheit in der Eisenbranche charakterisirt ist. Indessen kam die Fabrik über diese Zeit verhältnismäßig noch gut hinweg. In Folge größerer Bestellungen war das Werk, trotz der 1884/85 eintretenden Zuckerkrise, bis 1885 noch reichlich mit Aufträgen für Dampfkesselanlagen etc. versehen. In diesem Jahre (1885) wurde auch eine grössere Anzahl eiserner Dachkonstruktionen für den Centralbahnhof in Frankfurt a. M.,
sowie im Auftrage der Maschinenkommission für Hafenbau zur Verbindung der Ems und Jade eine bedeutende Kanalbrücke
fertig gestellt, Arbeiten, die zwar keinen grossen Gewinn abwarfen, weil sie im Submissionsverfahren erlangt waren, aber doch in weiten Kreisen Interesse hervorriefen. Als dann die Bestellungen der Zucker-Industrie fast ganz aufhörten, konnte wenigstens der Bau von Gasbehältern und Brücken noch im bisherigen Umfange beibehalten werden, ohne daß die Zahl der Arbeiter vermindert werden mußte. Damals fanden bereits Erzeugnisse der Firma in größerem
Umfange Absatz im Ausland; z. B. gingen Maschinen für die Blechbearbeitung nach Frankreich, Russland, Belgien, Österreich-Ungarn und Skandinavien; ein großer Gasbehälter wurde nach Brasilien, ein weiterer nach Chile geliefert.
Mit der seit 1887 beginnenden allgemeinen Besserung der Verhältnisse in der Eisen- und Zuckerindustrie nahm auch die Dampfkessel- und Gasometerfabrik wieder einen neuen Aufschwung. Die wiedererwachte Unternehmungslust der Zuckerfabrikanten gab sich in Neuanschaffungen von Maschinen, in der Ausführung von bisher zurückgehaltenen Verbesserungen und Reparaturen, auch in Neuanlagen von Fabriken zu erkennen. Auch die Gasindustrie entwickelte einen großen Bedarf. Die Besorgnis, das elektrische Licht möchte die Gasanstalten schädigen, hatte manche Neuanschaffung, Verbesserung oder Vergrößerung jahrelang hingehalten. Nachdem sich aber herausgestellt hatte, daß das elektrische Licht den Gasverbrauch nicht nur nicht beschränke, sondern diesen den gesteigerten Anforderungen entsprechend
eher vergrößere, und nachdem insbesondere die Stadt Berlin, von dieser Anschauung ausgehend, nicht nur eine Vergrößerung der bestehenden Anstalten vorgenommen, sondern auch die Erbauung einer ganz neuen, täglich 100.000 cbm Gas produzirenden Anstalt beschlossen hatte, folgten die übrigen Städte in der Vervollkommnung ihrer Gasbereitungsanstalten. Dabei zeigte sich, dass sehr viel geschehen mußte, um diese Anstalten dem Stande der Technik entsprechend umzugestalten.


ZEIT1898 (1887)
TEXTIn den Jahren nach 1888 wurden auch in außereuropäischen Ländern große Aufträge erledigt. Die Firma erwarb sich dadurch einen immer bedeutenderen Ruf, und ihre in- und ausländischen Beziehungen wurden immer reicher, so daß das Werk auch Anfang der neunziger Jahre trotz der damaligen ausserordentlich schlechten Konjunktur auf dem ganzen
Gebiete des Eisenmarktes und der dadurch hervorgerufenen übermäßigen Konkurrenz sehr gut beschäftigt war. Aber auch als 1895 die Bestellungen auf Dampfkessel und Blecharbeiten in Folge der verschlechterten Verhältnisse in der Zuckerbranche spärlicher eingingen, nahm die gedeihliche Entwickelung des Werkes dennoch ihren ungestörten Fortgang, da wegen der durch die Einführung der Auerbrenner und der Verwendung des Gases zu Koch- und Heizzwecken bedingten günstigen Lage der Gas-Industrie der Schwerpunkt der Fabrikation nunmehr auf den Bau von Gasbehältern gelegt werden konnte. Auch die heutige Lage des Unternehmens ist durchaus befriedigend, was in Anbetracht des allgemeinen Aufschwungs des Wirtschaftslebens und insbesondere der Eisenindustrie nicht Wunder nehmen kann. (Dass das Unternehmen auf einer gesunden Basis beruhte, hat der Erfolg gelehrt. In den achtzehn Jahren des Bestehens. der Fabrik hat sich der Umsatz fast verfünffacht, die Arbeiterzahl ist fast um das Sechsfache gestiegen. Diese günstige Entwicklung verdankt das Werk einmal dem Aufblühen unserer Zucker-Industrie, in der es wenigstens anfangs die Hauptabnehmerin erblickte, sodann aber der durch stets verbesserte Betriebseinrichtungen bedingten eigenen Leistungsfähigkeit und der Vielseitigkeit in der Fabrikation, durch die die Abhängigkeit von der jeweiligen Lage einzelner Industriezweige vermindert wurde. Die ersten Jahre des neuen Unternehmens fielen allerdings in jene für die gesamte Eisenindustrie so schwierige Periode, die durch einen äußerst niedrigen Preisstand für Rohmaterial und Fabrikat und durch eine allgemeine Geschäftsflauheit in der Eisenbranche charakterisirt ist. Indessen kam die Fabrik über diese Zeit verhältnismäßig noch gut hinweg. In Folge größerer Bestellungen war das Werk, trotz der 1884/85 eintretenden Zuckerkrise, bis 1885 noch reichlich mit Aufträgen für Dampfkesselanlagen etc. versehen. In diesem Jahre (1885) wurde auch eine grössere Anzahl eiserner Dachkonstruktionen für den Centralbahnhof in Frankfurt a. M., sowie im Auftrage der Maschinenkommission für Hafenbau zur Verbindung der Ems und Jade eine bedeutende Kanalbrücke fertig gestellt, Arbeiten, die zwar keinen grossen Gewinn abwarfen, weil sie im Submissionsverfahren erlangt waren, aber doch in weiten Kreisen Interesse hervorriefen. Als dann die Bestellungen der Zucker-Industrie fast ganz aufhörten, konnte wenigstens der Bau von Gasbehältern und Brücken noch im bisherigen Umfange beibehalten werden, ohne daß die Zahl der Arbeiter vermindert werden mußte. Damals fanden bereits Erzeugnisse der Firma in größerem Umfange Absatz im Ausland; z. B. gingen Maschinen für die Blechbearbeitung nach Frankreich, Russland, Belgien, Österreich-Ungarn und Skandinavien; ein großer Gasbehälter wurde nach Brasilien, ein weiterer nach Chile geliefert. Mit der seit 1887 beginnenden allgemeinen Besserung der Verhältnisse in der Eisen- und Zuckerindustrie nahm auch die Dampfkessel- und Gasometerfabrik wieder einen neuen Aufschwung. Die wiedererwachte Unternehmungslust der Zuckerfabrikanten gab sich in Neuanschaffungen von Maschinen, in der Ausführung von bisher zurückgehaltenen Verbesserungen und Reparaturen, auch in Neuanlagen von Fabriken zu erkennen. Auch die Gasindustrie entwickelte einen großen Bedarf. Die Besorgnis, das elektrische Licht möchte die Gasanstalten schädigen, hatte manche Neuanschaffung, Verbesserung oder Vergrößerung jahrelang hingehalten. Nachdem sich aber herausgestellt hatte, daß das elektrische Licht den Gasverbrauch nicht nur nicht beschränke, sondern diesen den gesteigerten Anforderungen entsprechend eher vergrößere, und nachdem insbesondere die Stadt Berlin, von dieser Anschauung ausgehend, nicht nur eine Vergrößerung der bestehenden Anstalten vorgenommen, sondern auch die Erbauung einer ganz neuen, täglich 100.000 cbm Gas produzirenden Anstalt beschlossen hatte, folgten die übrigen Städte in der Vervollkommnung ihrer Gasbereitungsanstalten. Dabei zeigte sich, dass sehr viel geschehen mußte, um diese Anstalten dem Stande der Technik entsprechend umzugestalten. )