Deutsche Eisenbahnschienen-Compagnie auf Actien

Allgemeines

FirmennameDeutsche Eisenbahnschienen-Compagnie auf Actien
OrtssitzNeuhaus-Schierschnitz (Th)
OrtsteilNeuhaus
Postleitzahl96524
Art des UnternehmensEisenhĂŒtte und Maschinenfabrik
AnmerkungenIm Deutschen Museum: Firmierung "Erste Deutsche Eisenbahnschienen-Compagnie AG"; in der Eigenanzeige in der [Lpz. Ill. Ztg.] nur wie oben. Kapital (1845): 2 Mio Thaler = 3.500.000 rh. Gulden. Direktion (zumindest anfangs) in Hildburghausen. Steinkohlen aus Neuhaus ("NeuhĂ€user Steinkohlen-Verein") und Stockheim; Spateisenstein und Braunerze aus den Regionen Könitz bzw. GrĂ€fenthal, Saalfeld usw. Inhaber: Joseph Meyer (auch Inh. des Bibliographischen Instituts). 1845 werden GeblĂ€se- und Walzenzugmaschinen und gichtgas-beheizte Dampfkessel erwĂ€hnt. Betriebe: "Schmelze Neuhaus auf dem Meyer'schen Kohlenfelde" (dort auch Puddlings- und Schienenwalzwerk) und "Schmelze bei den Könitzer Eisengruben". Bezug zur von Swain'schen Rentei (Berg- und HĂŒttenwerk um 1900; s.d.) unbekannt
Quellenangaben[Leipziger Illustrierte Zeitung Nr. 92 vom 05.04.1845] Objekt im Dt. Museum MĂŒnchen [Eisenbahn-Zeitung 5 (1847) 398] [Allgemeine Zeitung 99 (1845) 789]
HinweiseDazu das Steinkohlenwerk August im Revier Neuhaus (160.000 Quadratlachter, FlözmĂ€chtigkeit: 30 Fuß 5 Zoll, geschĂ€tzter Kohleninhalt: 160 Millionen Ztr.) mit Hauptförder- und Maschinenschacht, 150 Lachter Teufe.




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1837 Meyer erhĂ€lt die Konzession fĂŒr den Abbau von Mineralien im Herzogtum Sachsen-Meiningen.
15.03.1843 Die Aktien datieren vom 15. MĂ€rz
15.06.1843 GrĂŒndung des "NeuhĂ€user Steinkohlen-Vereins" nach statutarischer Bekanntmachung vom 15. Juni mit J. Meyer als Direktor und MiteigentĂŒmer der Vereinswerke. GegrĂŒndet fĂŒr den gemeinschaftlichen Abbau des großen und reichen Steinkohlen-Distrikts "Minna" im Bergrevier Neuhaus mit einem geschĂ€tzten Kohlevorrat von 80 Millionen Zentnern.
15.07.1843 Ausgabe von 1200 Aktien Ă  200 Thaler Preuß. Courant des "NeuhĂ€user Steinkohlen-Vereins" mit 5 % Verzinsung und einer zu 6 % veranschlagten Jahresdividende. Die Aktien lauten auf den Inhaber. Die Aktienausgabe endet am 1. September
15.09.1843 Vorgesehener Termin fĂŒr die Einberufung der Generalversammlung der AktionĂ€re
Sommer 1846 Die Hochöfen sollen angeblasen werden, und die Roheisenherstellung soll beginnen.
01.07.1846 bis 31.08.1846 Im Sommer sollen die Hochöfen angeblasen werden




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Dampfkessel 1847 im Bau 1847 im Bau  
Dampfmaschinen 1847 Dt. Museum 1847 Dt. Museum 1947: 2 Maschinen je 60 PS im Bau [Eisenbahn-Zeitung (1847) 398]
Eisen 1846 Beginn vorges. (Inbetriebnahme Hochöfen)      
Eisenbahnschienen 1846 Beginn vorges. (Inbetriebnahme Hochöfen)      




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfhammer um 1847 James Nasmyth & Co.
Dampfmaschine um 1847 unbekannt
DampfgeblÀsemaschine um 1847 Deutsche Eisenbahnschienen-Compagnie auf Actien
DampfgeblÀsemaschine nach 1847 Deutsche Eisenbahnschienen-Compagnie auf Actien




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
1845 Dampfmaschinen 2 Steinkohlenfeld August unbekannt Gesamtleistung 60 ps FĂŒr Wasserhaltung und WetterfĂŒhrung, bei 1500 Ztr/d Kohleförderung  




Firmen-Änderungen, ZusammenschĂŒsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1845 Nebenwerk danach NeuhÀuser Steinkohlen-Verein um 1845 gegr.




Allgemeines

ZEIT1847
THEMABeschreibung des Eisenwerks
TEXTDie Unternehmungen des Herrn Meyer in Hildburghausen haben an vielen Orten so zahlreiche Teilnehmer gefunden, daß einige nĂ€here Mitteilungen ĂŒber den Zustand dieser Werke, von einem unparteiischen Beobachter gegeben, nicht ungern gesehen werden dĂŒrften. Dr. Heeren nun, durch zweimaligen Besuch dieser Anlagen mit ihnen nĂ€her bekannt, fĂŒhlt sich, teils um den mehrfach deshalb an ihn ergangenen Anfragen zu entsprechen, teils aus dem Wunsche, ein so großartiges, zeit gemĂ€ĂŸes und technisch interessantes Unternehmen zur allgemeineren Kenntniß zu bringen, gedrungen, die folgenden Nachrichten zu veröffentlichen, welche freilich bei einer so vielseitigen Sache nicht in wenigen Zeilen abgetan werden konnten, dennoch aber, um das Maß eines Journal-Artikels nicht allzusehr zu ĂŒberschreiten, eine Menge der Mitteilung sonst wĂŒrdiger UmstĂ€nde ĂŒbergehen mußten, Nachrichten, welche sich indessen lediglich auf die technischen VerhĂ€ltnisse beschrĂ€nken werden und besonders den Zweck haben, zu zeigen, wie weit diese wirklich großartigen Schöpfungen bis jetzt gediehen sind. Wird auch Jedermann es ganz natĂŒrlich finden, daß bei GrĂŒndung eines solchen Unternehmens durch einen Privatmann pekuniĂ€re Interessen wesentlich mit in Betracht kamen, so ist doch auch der Wunsch, daß die deutschen Eisenbahnen mit deutschem und nicht mit fremdem Eisen gebaut werden möchten, und daß die enorme Masse deutschen Geldes, welche jĂ€hrlich fĂŒr Eisen ins Ausland strömt, im Lande bleiben möge, und der deutschen Arbeit zugute komme, nicht genug zu beherzigen, und es verdient daher das NeuhĂ€user Kohlen- und Eisenwerk auch in staatsökonomischer Hinsicht die grĂ¶ĂŸte Teilnahme. Nachdem Berichterstatter schon voriges Jahr Veranlassung gehabt hatte, die Anlagen zusehen, welche H. Meyer auf mehreren Punkten des ThĂŒringer Waldes fĂŒr Bergbau und Eisenfabrikation ins Leben ruft, und die in den großen Werken bei Neuhaus, unweit Sonnenberg, ihren Mittelpunkt fin den, ergriff derselbe eine sich kĂŒrzlich darbietende Gelegenheit, in Gesellschaft einiger bei dem Unternehmen beteiligter Herren eine zweite Ausflucht nach ThĂŒringen zum Besuch dieser Etablissements und zur PrĂŒfung ihrer Fortschritte zu machen. Unser Reisezweck fĂŒhrte uns zuerst nach Neuhaus. Hatten sich hier im vorigen Jahr die Werke im ersten Werden und Keimen gezeigt, so erkannte man in ihnen gegenwĂ€rtig ein der Vollendung nahes, wohlorganisiertes, mit allen HĂŒlfsmitteln zur selbststĂ€ndigen Entwicklung vollstĂ€ndig ausgerĂŒstetes Ganze, das unter geschickter Leitung seiner Beendigung entgegengeht. Von den bewaldeten Höhen um Neuhaus ragen malerisch die GebĂ€ude der neuen Kohlenwerke mit ihren EssentĂŒrmen hervor, wĂ€hrend sich auf einer Planierung im Tale die kolossalen HĂŒttenwerke der Eisenbahnschienen Kompagnie, umgeben von ausgedehnten Teichen, welche den Wasserbedarf fĂŒr die Dampfmaschinen und sonstigen Zwecke liefern, ausbreiten. Auf einem den Werken angehörenden Raum von 60 bis 70 Morgen liegen, symmetrisch geordnet, die in gefĂ€lligem einfachen Stil solid aufgefĂŒhrten verschiedenen GebĂ€ude mit ihren langen Fassaden und den hohen Schornsteinen, deren mehrere bereits durch die aus ihnen hervorwirbelnden Rauchwolken das innere Leben der Werke beurkunden. Den Mittelpunkt der ganzen Gruppe bilden die vier Hochöfen mit ihren Schmelzhallen, an deren einer Seite sich die langen GebĂ€ude der Maschinenfabrik hinziehen, wĂ€hrend vor ihnen die fĂŒr die Stabeisengewinnung und Schienenfabrikation, also zur Aufnahme der Puddel- und SchweiĂŸĂ¶fen, sowie der Hammer- und Walzwerke bestimmte Halle einen sehr großen viereckigen, mit einem siebenteiligen, auf eisernen SĂ€ulen ruhenden Dache bedeckten, an den Seiten ganz freien Raum um faßt. Koksöfen, nebst VorrĂ€ten an Kohlen, Cokes und Erzen, Kalk- und Ziegelbrennereien nebst sonstigem Zubehör liegen auf einem weiten Raume hinter den GebĂ€uden. Breite chaussierte Straßen, sĂ€mtlich von Herrn Meyer ganz neu angelegt, bringen die einzelnen Werke mit den Kohlengruben in bequeme Verbindung, den Transport der Rohstoffe erleichternd und wohlfeiler machend. Unser erster Besuch galt den Gruben des NeuhĂ€user Steinkohlen-Vereins. Auf der Minna war das Abteufen des 421 Fuß tiefen Schachtes vollendet und die Mannschaft mit dem Treiben eines Querschlages gegen das Kohlenflöz beschĂ€ftigt, das man mit 12 Lachter weiterem Auffahren auszurichten erwartet, eine auf etwa noch sechs Wochen veranschlagte Arbeit. Auf dieser Grube stehen zwei Dampfmaschinen, eine von 32 Pferden, welche die Wasser hebt, und eine von 12 Pferden zur Förderung. Es ist auf dieser Grube die zweckmĂ€ĂŸige Einrichtung getroffen, daß der Wetterschacht in den Feuerkanal der Dampfesse einmĂŒndet, wodurch ein hinlĂ€nglich starker Wetterzug entsteht, der einen besonderen Wetterofen entbehrlich macht. Es muß bei dieser Gelegenheit erwĂ€hnt werden, daß auf den NeuhĂ€user Steinkohlengruben schlagende Wetter nicht vorzukommen scheinen, und daher die zur Beseitigung dieser großen Plage und Gefahr auf anderen, namentlich den englischen und belgischen Kohlenwerken erforderlichen unbequemen und kostspieligen Sicherungsvorrichtungen ganz wegfallen. Der Verbrauch beider Dampfmaschinen war, nach den uns darĂŒber gemachten Mitteilungen, -- Bei der kurzen Dauer unseres Besuchs der Meyer'schen Werke lag eine genaue Kontrollierung der, die verschiedenen VerhĂ€ltnisse betreffenden Zahlen werte natĂŒrlich in der Unmöglichkeit; wie hĂ€tten wir auch die Tiefe der SchĂ€chte, den kubischen Inhalt der Kohlen- und Erzhaufen nachmessen, wie die Anzahl der Arbeiter ĂŒberzĂ€hlen oder die Genauigkeit etwaiger Preisangaben ermitteln können? Berichterstatter hat daher teils auf die Mitteilungen des Hrn. Meyer selbst, teils auf die Angaben der den verschiedenen Branchen des Etablissements vorstehenden MĂ€nner rekurieren mĂŒssen, darf aber bevorworten, daß er an der Richtigkeit der im Folgenden hier und da vorkommenden Zahlenangaben zu zweifeln keine Veranlassung hat. -- tĂ€glich 50 bis 55 Ztr. Kohlen der geringsten Sorte. Der Gang der Maschinen war tadellos. Von der Minna aus besuchten wir die ĂŒbrigen, zum ersten Verein gehö renden Gruben: St. Michael, alter und junger Wolfgang, Abergunst und Waldschacht, auf welchen, bei ihrer mĂ€ĂŸigen Tiefe, die Förderung ganz einfach und zweckmĂ€ĂŸig mittelst Göpel stattfindet. Auf dem St. Michael legten wir die Knappenkleider an und fuhren ein. Auf den von uns besuch ten Abbaustrecken fanden wir das Kohlenflöz von einer MĂ€chtigkeit von etwa 6 Fuß anstehend, welche MĂ€chtigkeit gegen den jungen Wolfgang hin, mit welchem St. Michael in Verbindung steht, sich bis zu 20 Fuß vergrĂ¶ĂŸert. Bei dem auf den NeuhĂ€user Steinkohlengruben ĂŒblichen Pfeilerbau, welcher nicht erlaubt, ein 20fußiges Flötz in seiner ganzen Höhe gleichzeitig abzubauen, war daher auch wenig Gelegenheit gegeben, das Flöz in seiner ganzen MĂ€chtigkeit zu ĂŒberblicken, doch haben wir es bis zur HĂ€lfte dieser Höhe von 10 Fuß an mehreren Stellen und beim Auffahren auf dem jungen Wolfgang an dessen FĂŒllorte in seinem ganzen, 20 Fuß mĂ€chtigen Abbruch gesehen. Alle jetzigen Abbaue liegen ĂŒber der Sohle des Wasserstollens; die tieferen Partien des Feldes sind unverritzt und werden dem nĂ€chst von der Minna aus vom Wasser vollstĂ€ndig gelöst werden. Die Kohlengewinnung auf diesen Gruben geschieht im Gedinge, in welchem die Nebenkosten, Geleucht, GezĂ€h etc. mit inbegriffen sind. Es wird in Tonnen gefördert, die circa 3 Ztr. Kohlen enthalten, und fĂŒr jede Tonne Kohlen, bis auf die Halde, der Knappschaft 18 kr. (6 Mariengroschen) oder fĂŒr den Zentner 2 Mgr. bezahlt. Der Verkaufspreis ist an der Grube fĂŒr gute Kohlen 24 bis 36 kr. der Ztr. (8 bis 12 Mgr.) Die beste Schmiedekohle wird in FĂ€ssern von 3 Ztr. verkauft und das Faß mit 1 Thlr. 10 Mgr. an der Grube bezahlt. Auf dem, dem dritten Vereine angehörenden Vereinigten-Nachbar-Felde tritt das Kohlenflöz teilweise noch mĂ€chtiger auf. Es war hier mit dem neuen Maschinenschachte kĂŒrzlich ausgerichtet worden, in welchem zur Zeit unseres Besuches gerade Zimmerung eingerichtet wurde. Wir begaben uns von da nach dem August, einem neuen, dem Herrn Meyer allein gehörigen, den Revieren der drei Steinkohlen-Vereine also nicht mit angehörenden Kohlenwerke. Das Augustfeld ist eines der reichsten des Reviers. Erbohrt wurde in demselben das Flötz ĂŒber 32 Fuß mĂ€chtig. Man war eben be schĂ€ftigt, auf dem Schachte eine Wasserhaltungs-Dampfmaschine von 32 Pferden aufzustellen, womit man auszureichen gedenkt. Unterhalb des August, in viertelstĂŒndiger Entfernung, liegt die Juliana, das Hauptwerk des dritten Vereins. Ihr massives GebĂ€ude war noch nicht ganz beendigt. Die Anlage selbst ist noch grĂ¶ĂŸer, als die des August, und der Schacht im Ouerschnitt 200 Quadratfuß groß. Nach der Aussage des Beamten soll es hier auf eine mögliche Förderung von 3000 Ztr. Kohlen tĂ€glich abgesehen seyn. Man machte auch hier ZurĂŒstungen zum Einbau einer großen Dampfmaschine, fĂŒr welche die Kessel und mehrere Teile be reits dalagen. Das Schachtabteufen war in gutem Betrieb und die Wasser belĂ€stigten noch wenig. Am Fuße des Berges, nicht viel ĂŒber dem Niveau der HĂŒttensohle, zeigte man uns das Mundloch eines gewölbten Förderstolens, welcher mit dem Julianenschachte durchschlĂ€gig ist. Man wird die Kohlen nicht zum Schachte heraus, sondern blos bis auf die Stollensohle heben und auf einer Eisenbahn sodann auf den HĂŒttenplatz fahren. Auf der Höhe gegenĂŒber ist die große Schachtanlage des dem zweiten Vereine gehörenden Joseph-Feldes, in welchem nach amtlicher BestĂ€tigung die MĂ€chtigkeit des Kohlenflözes ĂŒber 26 Fuß betrĂ€gt. Die Dimensionen des Schachtes sind die grĂ¶ĂŸten des Reviers und auf eine mögliche Förderungs FĂ€higkeit von 3500 Ztr. tĂ€glich berechnet. Auch hier sollen die Kohlen nur bis auf einen Förderstollen gehoben werden, welcher auf dem Kohlenlagerplatz der HĂŒttenwerke selbst ausmĂŒndet. Man ersieht aus dieser kurzen Uebersicht der Kohlengruben, daß bis jetzt die Kohlenförderung noch ausschließlich aus vorhandenen kleineren SchĂ€chten stattfindet, daß aber das Abteufen der großen MaschinenschĂ€chte bereits in vollem Gange (das der Minna bis auf den noch herzustellenden Querschlag vollendet) ist. Die AusfĂŒhrung so kolossaler Schachtbauten bis auf bedeutende Tiefe erfordert aber der Natur der Sache nach nicht wenig Zeit, und es wird daher auch sicher noch ĂŒber ein Jahr dazu gehören, bevor diese SchĂ€chte (mit Ausnahme jenes der Minna) in Betrieb gesetzt werden können. Nach dieser Exkursion in die verschiedenen Kohlenfelder in der anspruchslosen Beamtenwohnung angelangt, hatten wir das VergnĂŒgen, die beiden Oberbeamten der Werke, Direktor Fromm und Ober-Ingenieur Faßben der, zwei sehr intelligente und tĂŒchtige, echt praktische MĂ€nner, deren ersterer die eigentlichen HĂŒttenwerke, der andere die Maschinenfabrik leitet, zu treffen. Die Besichtigung der HĂŒttenanlagen und der mit ihnen verbundenen WerkstĂ€tten fĂŒllten den Nachmittag aus. Sieben, von 20 Fuß hohen eisernen SĂ€ulen getragene Hallen, jede 208 Fuß lang und 55 Fuß breit, dicht aneinander stehend, bedecken einen Raum von mehr als 100,000 Quadratfuß, und in ihnen fanden wir das Arbeiterpersonal mit der Aufstellung der Walzwerkmaschinen beschĂ€ftigt. Die Fundamente dieser Maschinen ruhen sĂ€mtlich in Fels und sind vom gesundesten Eichenholz, das, bei seiner Seltenheit in dortiger Gegend, ĂŒber 20 Stunden weit herbeigeschafft werden mußte. So wie in diesen, so auch in allen ĂŒbrigen Konstruktionen gibt sich ein ernstes Streben nach SoliditĂ€t und Dauerhaftigkeit, der Wille des Unternehmers, Alles in möglichster VollstĂ€ndigkeit und GĂŒte, jedoch mit Vermeidung jedes Lurus, herzustellen, aufs Entschiedenste zu erkennen und von unzweckmĂ€ĂŸiger Anordnung, oder leichtfertiger, hinfĂ€lliger AusfĂŒhrung der Werke ist nirgends eine Andeutung zu entdecken. Besonderes Interesse gewĂ€hrte unter den Walzwerkmaschinen ein großer Dampfhammer, von dem Erfinder und Patentinhaber Nasmyth selbst verfertigt und bezogen. Er war bereits fertig aufgestellt und wiegt 6000 Pfund. Die zu seinem Betriebe nötige Dampfkraft ist zu 24 Pferden veranschlagt. Sehr zweckmĂ€ĂŸig wer den auch hier die Dampfkessel fĂŒr die Betriebsmaschinen des Walzwerks durch die Flamme der Puddelöfen geheizt werden – eine große Ersparniß an Kohlen und Geld. Der Aufbau der Puddel- und SchweiĂŸĂ¶fen war bereits begonnen, und es war, nach Versicherung des Ober-Ingenieurs, alle Aussicht vorhanden, daß das Luppenwalzwerk, also die Herstellung von Stabeisen, noch im November, und auch das Schienenwalzwerk noch vor Jahresschluß in Umtrieb werden kommen können, wobei indessen nicht zu ĂŒbersehen ist, daß die jetzt in Aufstellung begriffenen Walzwerkmaschinen erst einen Teil der großen Halle einnehmen, in welcher demnĂ€chst noch mehrere dergleichen vorgerichtet werden sollen. Von der Halle verfĂŒgten wir uns zur Maschinenfabrik, welche mit den ihr dienenden Ateliers ein massives GebĂ€ude einnimmt, welches bei 70 Fuß Tiefe 450 Fuß LĂ€nge hat. Sie besteht aus der eigentlichen Maschinen BauwerkstĂ€tte, einer Schmiede mit 8 Feuern, der Gießerei mit 3 Kupolöfen, der Modelltischlerei und dem Modellmagazin, nebst einer Anzahl Arbeiterwohnungen. Die WerkstĂ€tte fĂŒr Maschinenbau ist ein Saal von 150 Fuß LĂ€nge bei 70 Fuß Tiefe. Sie ist mit den besten und neuesten Werkzeugmaschinen reichlich versehen, welche meistens aus England bezogen wurden. Transmissionen, welche von einer Dampfmaschine von 16 Pferden ausgehen, setzen mittels LeitbĂ€ndern von Leder oder Guttapercha die sĂ€mtlichen Maschinen in Bewegung. Die hier beschĂ€ftigten Arbeiter sind meistens RheinlĂ€nder oder Belgier, aus dortigen Fabriken herbeigezogen. Wir fanden im Atelier zwei Dampfmaschinen von je 60 PferdekrĂ€ften im Bau, Walzen fĂŒr die Walzwerke auf den DrehbĂ€nken usw. Diese Maschinenbauwerkstatt nebst ganzem Zubehör ist in vollem Gang. Fertig daliegende Dampfkessel, deren zwei gerade probiert wurden, zeigten, daß auch diese in der Anstalt geliefert werden können. Unmittelbar an die Maschinenbauwerkstatt stĂ¶ĂŸt die Gießerei, eine 120 lange Halle, in welcher wohl an 50 Former und Gießer beschĂ€ftigt waren. In unserem Beiseyn wurde ein StĂŒck, circa 9000 Pfund schwer, gegossen; es war eine Blechwalze; doch sind hier schon StĂŒcke von 14.000 Pfund ge gossen worden, wobei dann in allen 3 Kupolöfen geschmolzen wird. Zu je nen Maschinenteilen, auf deren Dauer besonders viel ankommt, nimmt man englisches, auch schwedisches Roheisen von dunkelgrauem Bruch. Geringere GegenstĂ€nde, z.B. die Armierungen fĂŒr die Puddelöfen, gießt man direkt aus dem Hochofen. Die Gießerei hat das GlĂŒck, ein Lager von sehr gutem Formsande in der NĂ€he zu besitzen. Die Hochofenanlage beschĂ€ftigte zunĂ€chst unsere Aufmerksamkeit. Sie besteht aus vier Öfen nach schottischer Konstruktion, von 45 Fuß Höhe, 16 Fuß grĂ¶ĂŸter Weite im Kohlensack und 9 Fuß Gichtöffnung. Die Versuchskampagne mit dem ersten Ofen war vor kurzem angegangen, und die Reihe der Beobachtungen ĂŒber Gattierungs- und BeschickungsverhĂ€ltnisse, WindfĂŒhrung und Temperatur noch nicht geschlossen. Man blies bei unserer Anwesenheit mit zwei Formen, heißem Wind von 2 1/2, Pfund Pressung auf den Quadratzoll, und die Beschickung bestand aus 70 Prozent Könitzer Spateisenstein, 30 Proz. Eisenberger Braunerz und etwas Kalfzuschlag. Das Ausbringen war 38 Proz. und hatte bei anderen Beschickungen zwischen 36 und 40 Proz, variiert. Das Ausschmelzen, wie die fast farblose Schlacke zeigte, war rein und der Ofengang vorzĂŒglich gut. Die Koks hĂ€tten wohl noch besser seyn können, was daran lag, daß die Grube die SchiefertonstĂŒcke nicht rein genug ausgeschieden hatte. Wir waren bei einem neunstĂŒndigen Abstich zugegen, welcher 50 bis 55 Zentner anscheinend sehr gutes, weißes oder vielmehr halbirtes, zum Verpuddeln geeignetes Eisen lieferte. Zwar lĂ€ĂŸt sich fĂŒr jetzt, da die Stabeisen-Gewinnung noch nicht angefangen hat, ĂŒber die QualitĂ€t des demnĂ€chst zu gewinnenden Stabeisens noch kein entscheidendes Urteil fĂ€llen, doch sind die Könitzer Erze, bevor die Gruben von Hrn. Meyer angekauft wurden, schon lange zu vortrefflichem Stabeisen auf mehreren ThĂŒringer Eisenwerken benutzt, so wie auch die Erze mehrerer, Hrn. Meyer nicht gehöriger Gruben des demselben Lager angehörenden Camsdorfer Reviers noch fortwĂ€hrend zur Darstellung eines guten Stabeisens angewendet und in weite Entfernungen verfahren werden. Mit den Eisenberger Erzen hat Hr. Meyer auf einer anderen HĂŒtte Schmelzversuche im Blauofen anstellen lassen, wobei, bei Holzkohlenfeuernng, ein vor zĂŒgliches Stabeisen gewonnen worden ist. Mit drei DĂŒsen und vollem Winde wurde die Produktion dieser Öfen auf 1500 Ztr. wöchentlich veranschlagt; und dieses Quantum als Norm angenommen, lassen die 4 Öfen eine Jahresproduktion von 300.000 Zentner erwarten. Das sehr einfach konstruierte ZylindergeblĂ€se, durch eine Dampfmaschine von 60 Pferden in Umtrieb gesetzt, ist die erste Maschine, welche aus der Maschinenfabrik zu Neuhaus hervorging. Es soll nun eine Maschine von 250 Pferden zur Bedienung aller vier Hochöfen hergestellt werden, worauf dann die jetzige nur als Reservemaschine dienen wird. Sehr interessant ist die Benutzung der Hochofengase zur Kesselheizung. Nahe unter der Gicht des Hochofens ist ein Gasfang angebracht, der die Gase durch eine 14 Zoll weite Röhre hinab unter die Kessel fĂŒhrt, wo sie unter Zutritt von atmosphĂ€rischer Luft verbrennen. Diese sinnreiche Einrichtung entspricht ihrem Zwecke vollkommen. Die Gasflamme umkreiste die Kessel in vielfachen Windungen und schlug noch in die Esse hinein, so daß ihre LĂ€nge an 140 Fuß betragen mußte. Eine schönere, reinlichere Kessel feuerung ist nicht denkbar und das beste ist, daß sie nichts kostet. Nach dem Aufgeben jeder Gicht wird die Gichtöffnung durch einen genau aufliegenden Deckel hermetisch geschlossen. Die 3 anderen Hochöfen waren zur Zeit unseres Besuches noch nicht zugestellt. Die hierzu dienenden Chamottesteine werden auf dem Etablissement selbst aus einer Mischung von feuerfestem Ton, aus der Coburger Gegend, und Mehl von gepochten Kapselscherben, welche die vielen Porzellanfabriken des ThĂŒringer Waldes liefern, angefertigt. FĂŒr die gewöhnliche Ziegelei hat Hr. Meyer mit großem ökonomischen Vorteil die belgische Methode des Feldbrandes eingefĂŒhrt. Das Kalkbrennen geschieht in sogenannten ewigen Öfen, wie sie am Niederrhein gebrĂ€uchlich sind. Man gibt oben Kalk und Steinkohlen zusammen auf und zieht unten den gebrannten Kalk aus. Mit 25 Pfd. Steinkohlen geringer Sorte produziert man so 100 Pfd.
QUELLE[Eisenbahn-Zeitung 5 (1847) 398+415]


ZEIT1847
THEMABeschreibung des Erzbergwerke
TEXTDen folgenden Tag hatten wir fĂŒr die Besichtigung der Wallendorfer, Könitzer und Camsdorfer Eisenbergwerke bestimmt. Wallendorf liegt 6 Stunden von Neuhaus; das dortige, in Grauwackerschiefer aufsetzende Eisensteinlager von bedeutender MĂ€chtigkeit und ĂŒber 700 Lachter LĂ€ngenerstreckung lĂ€ĂŸt eine sehr leichte Erzgewinnung durch Tagebau zu. Das Erz (Brauneisenstein) eignet sich aber seines Phosphorgehaltes wegen nicht zur Fertigung guten Stabeisens, wohl aber zu feinen Gußarbeiten. Von Wallendorf fuhren wir durch eine der schönsten Partien des Gebirges nach Könitz. Von diesem Revier besitzt Hr. Meyer alles, bis auf ein paar unbedeutende Enklaven, und beutet einen unermeßlichen Vorrat guter Spateisenerze und Brauneisenstein aus, die hier im Dolomit flötzweise und bis zur MĂ€chtigkeit von 4 bis 5 Lachtern auftreten. Eine hĂ€ufig vorkommende Einsprengung von Schwerspat ist allerdings nachteilig und macht eine sorgfĂ€ltige Ausscheidung desselben nötig. Er wird auf diesem Revier aus 19 SchĂ€chten gefördert und 9 waren im Abteufen begriffen. Das ganze Revier ist durch einen Hauptstollen von 500 Lachter LĂ€nge vom Wasser gelöst, was die Gewinnung ungemein erleichtert. Auf der Grube Gottschild, woselbst der Spateisenstein ĂŒber 5 Lachter mĂ€chtig an stehen soll, waren gegen 8000 Tonnen (64,000 Ztr.) Erz aufgeschichtet. Die gesammten, bereits geförderten Erzvorröte auf allen Meyer'schen Gruben in Könitz mochten sich auf etwa 600,000 Ztr. belaufen, von welchen ein Ausbringen von 240,000 Ztr. Eisen zu gewĂ€rtigen ist. Wegen einbrechender Nacht mußten wir auf die Besichtigung des Camsdorfer Reviers verzichten. Wir ĂŒbernachteten in dem fĂŒrstlichen Schlosse zu Könitz, gegenwĂ€rtig der Sitz des Bergamtes, wohin uns der Vorstand desselben gastfrei eingeladen hatte. Der dritte Tag galt dem Besuche des Eisenberges im RudolstĂ€dter Grenzrevier. Als wir voriges Jahr diesen, in montanistischer Beziehung vielleicht merkwĂŒrdigsten Punkt des ThĂŒringer Waldes besuchten, war kaum hinaufzukommen, da nur fast unfahrbare Holzwege zu Gebote standen. Jetzt hat Hr. Meyer eine treffliche, 1/2 Stunden lange ChaussĂ©e hinaufgebaut, die von der Saalfelder Hauptstraße abgeht und unmittelbar auf dem Erzladeplatze des Eisenberges ausmĂŒndet. Das hier vorhandene Lager eines trefflichen Brauneisensteins, oft mit Roteisenstein innig durchsetzt, bildet durch seine enorme GrĂ¶ĂŸe, seinen wahrhaft unerschöpflichen Reichtum einen der grĂ¶ĂŸten SchĂ€tze der Meyer'schen Besitzungen. Wir fanden eine bedeutende Anzahl von Arbeitern beschĂ€ftigt, den 1 bis 2 Fuß hohen Gebirgsschutt, welcher die ErzlagerstĂ€tte bedeckt, ab zurĂ€umen, wĂ€hrend andere an den bereits entblĂ¶ĂŸten Stellen mit Schießen und Sprengen, mit Keilen und Brechstangen das in grotesken Felsmassen ganz frei zu Tage liegende Erz abbauten. Das obere Drittel des wohl gegen 800 Fuß aus dem Tale steil aufsteigenden bedeutenden Chloritschieferberges scheint eine kompakte Erzmasse zu seyn. Bloß der bereits aufgeschlossene Teil desselben hat nach ungefĂ€hrer SchĂ€tzung eine Erzmenge von ĂŒber drei Millionen Tonnen nachgewiesen, aus denen, da die Erze gegen 40 Prozent Gehalt haben, ĂŒber 10 Millionen Zentner Eisen geschmolzen werden können, und der nicht aufgeschlossene Teil ist vielleicht noch grĂ¶ĂŸer. Lassen wir aber auch diese Zahlenwerte als unsicher ganz beiseite, so darf doch dieses Lager mit Recht als unerschöpflich bezeichnet werden, welchem in Deutschland gewiß kein anderes, außer jenem in Steyermark, gleichkommt. Selbst das Plateau, auf welchem die geschiedenen Erze in WĂŒrfelhaufen von je 1000 Tonnen aufgeschichtet sind, ist aus Erzen zusammengebaut und könnte einmal verschmolzen werden. Am Fuße des Eisenberges werden zwei Hochöfen erbaut, wozu die Planierungen schon fertig sind, deren Erzeugnis in Neuhaus verwalzt werden soll. Die mit Erz oder Roheisen vom Eisenberge nach Neuhaus beladenen Wagen erhalten Koks als Retourfracht; die Transportkosten werden sich dadurch vermindern und beide Werke sich gegenseitig unterstĂŒtzen. Allerdings ist nicht zu verkennen, daß der etwas weite Transport sowohl der Könitzer und Eisenberger Erze nach Neuhaus, als auch des Eisenberger Roheisens dorthin per Achse die Produktionskosten nicht unbetrĂ€chtlich erhöhen muß; doch kompensieren sich diese Kosten zum Teil schon durch die leichte, fast kostenlose Gewinnung der Erze, andernteils ist die grĂ¶ĂŸte Aussicht vorhanden, daß dieser Transport spĂ€terhin durch Eisenbahn-Verbindungen stattfinden kann, da, dem Vernehmen nach, die herzoglich sĂ€chsischen Staatsregierungen in ihrem kĂŒrzlich vollzogenen Vertrage ĂŒber den Bau der SĂŒd- und Norddeutschland verbindenden Werra-Eisenbahn die FĂŒhrung einer Zweigbahn nach Sonneberg und Neuhaus beschlossen haben. Berichterstatter trĂ€gt nach alledem kein Bedenken, seine Meinung dahin auszusprechen, daß, soweit sich nach den rein technischen VerhĂ€ltnissen urteilen lĂ€ĂŸt, ĂŒber welche allein er in dieser Sache ein Urteil sich beilegen will, die Unternehmungen des Hrn. Meyer auf einer sehr soliden Grundlage beruhen und sich in so krĂ€ftiger Entwicklung befinden, wie sich bei der kur zen Zeit ihres Bestehens nur irgend erwarten lĂ€ĂŸt.
QUELLE[Eisenbahn-Zeitung 5 (1847) 398+415]


ZEIT1845
TEXTMit höchsten landesherrlichen Privilegien.
DEUTSCHE EISENBAHN-SCHIENEN-COMPAGNIE.
Kapital: 2 Millionen Thaler Pr. Ct, oder 3,500,000 Gulden rhein.
Ertrag:
JĂ€hrliche feste Verzinsung: FĂŒnf Procent.
Veranschlagte Dividende: Sieben und ein halb Procent.
QUELLE[Allgemeine Zeitung 99 (1845) 787]


ZEIT1845
THEMAProspectus
TEXTBaut Eisenbahnen! Ist der Zuruf der Zeit. Alle gesitteten Nationen wetteifern ihm zu folgen. Auch Deutschland bleibt nicht zurĂŒck. 120,000 Arbeiter stricken gegenwĂ€rtig am deutschen Eisenbahnnetze, und ehe zehn Jahre vergehen, wird das ebe eine Thatsache seyn – eine Thatsache, so nĂŒtzlich wie glorreich, denn sie wird mehr als alles andere, mehr als Kölner Dombau, HermannsĂ€ule und Walhalla, darauf hinwirken die deutschen StĂ€mme zu einem Volke zu vereinen, zu dem großen Volke, das unter den Nationen der Erde die erste Stelle einzunehmen Beruf hat. Die zum Bau wirklich bestimmten und teilweise in Angriff genommenen neuen Bahnstrecken der sĂ€mtlichen deutschen Zollvereinsstaaten haben eine GesamtlĂ€nge von etwa 110 geographischen Meilen. Es werden dies sĂ€mtlich Bahnen erster Klasse, und die meisten derselben, welche vorzugsweise als Hauptrouten fĂŒr den Welthandel dienen werden, mĂŒssen zwei Paar Geleise erhalten Der Bedarf an Schienen fĂŒr diese Bahnen berechnet sich auf 6,6 Millionen Centner, welche zum Durchschnittspreise von nur 8 fl. rhein. pro Centner angeschlagen, zweiundfĂŒnfzig Millionenn Gulden rhein. oder etwa 30 Millionen Thaler Pr. Ct. kosten. Da aber jene Bahnen binnen etwa sieben Jahren fertig gebaut werden sollen, so ergibt sich hieraus ein jĂ€hrlicher Schienenbedarf von fast 1 Million Centner, ungerechnet desjenigen, welcher durch die inzwischen ans Licht tretenden EntwĂŒrfe zu neuen Bahnlinien herbeigefĂŒhrt werden wird, deren Notwendigkeit schon jetzt zu erkennen ist. Dieer (obschon nicht fest zu berechnende) Zuwachs an Schienenbedarf wird jedes Quantum um vieles erhöhen, Endlich ist der bestĂ€ndige Schienenverbrauch der deutschen Zollvereinsstaaten zu berechnen, der durch die Abnutzung entsteht. ErfahrungsmĂ€ssig gibt man den Schienen auf Hauptlinien eine Durchschnittsdauer von zwölf Jahren. und die GesamtlĂ€nge des Eisenbahnnetzes fĂŒr den Zollverein, wenn vollendet, nur auf 1000 Meilen annehmen. Dieses macht, da 15,000 Centner Schienen durchschnittlich zur Belegung einer Bahnmeile erforderlich sind, einen immerwĂ€hrenden Schienenbedarf von etwa 1 Million Centner im Jahre durch Abnutzung. Diesem ungeheuren Schienenverbrauch des zollvereinten Deutschlands gegenĂŒber betrachten wir nun seine Schienenproduktion! Sie ist gegenwĂ€rtig nicht ganz 110,000 Ctr., folglich deckt sie kaum den neunten Teil dessen was wir fĂŒr currenten Bahnbau bedĂŒrfen. FĂŒr den voraussichtlich weiterm Bedarf hat sie gar nichts zu bieten, und fĂŒr den immerwĂ€hrenden, der sich spĂ€ter aus der Abnutzung herleitet, gibt sie ebenso wenig Befriedigung; denn dieser letztere wird mehr als das Neunfache des ganzen gegenwĂ€rtigen Erzeugnisses sein. Was ist aber die Ursache dieses schreienden MissverhĂ€ltnisses zwischen Erzeugung und Verbrauch einer unentbehrlichen Ware? Haben wir in Deutschland nicht Eisenerze und Kohlen, Intelligenz und ArbeitskrĂ€fte genug, die Schienen fĂŒr unsere Eisenbahnen selbst zu machen? Allerdings; aber die Schienenfabrikation ist ein gar großartiges Gewerbe, und fĂŒr den in Deutschland herkömmlichen HĂŒttenbetrieb eignet sie sich nicht. Sie erfordert große Kapitale und umfassende Anlagen, und dass der Mut fĂŒr solche nicht aufkĂ€me, dafĂŒr sorgten die EnglĂ€nder und unsere Zollgesetzgebung. Indem diese die deutsche Schienenfabrication bis vor kurzem ohne hinlĂ€nglichen Schutz ließ, verhinderte sie das Capital sich ihr anzuvertrauen, und gleichzeitig hielt die kolossale Fabrication in Belgien und England durch ihre Uebermacht die deutsche zu Boden. Beides lĂ€hmte jeden Aufschwung, und so ist es gekonmen dass bis zur Stunde die meisten deutschen Eisenbahnen mit auslĂ€ndischen Rails gebaut werden und dafĂŒr Millionen deutschen Geldes Jahr aus Jahr ein nach Belgien und nach England gehen. Im letzten Jahre (1844) haben die Zollvereinsstaaten mehr als 2 Millionen Centner Eisen, grösstenteils Schienen, von Auslande bezogen, und Deutschland hat 6 Millionen Thr. dafĂŒr bezahlt! Man denke, wie mehr es kĂŒnftig wĂŒrde bezahlen mĂŒssen bei der grossartigen Entwickelung seines Eisenbahnbaues und bei der Preiserhöhung, die in Folge der in allen LĂ€ndern so reissend vermehrten noch unabsehlich fortsteigenden Eisenconsumtion eingetreten ist – eine Preiserhöhung, die, obschon sie in England bereits 60 Prozent betrĂ€gt, jede Woche weitere Fortschritte macht. Es darf nicht Wunder nehmen denn Thatsache ist es das, so kolossal die Werke der EnglĂ€nder und Belgier auch sind, ihre Production doch nicht mehr hinreicht alle die Bestellungen zu effectuieren, welche der Eisenbahnbau in so vielen LĂ€ndern ihnen zufĂŒhrt. Braucht doch Grossbritannien allein fĂŒr seine 218 neuen Eisenbahnen, deren EntwĂŒrfe jetzt dem Parlamente zur Genehmigung vorliegen, 18 Millionen Ctr.-Schienen – ein Bedarf, der die ganze jetzige britische Schienenproduction, so riesenhaft sie ist, allein 4 volle Jahre beschĂ€ftigen wĂŒrde! MĂŒssen, frage ich, unter solchen Conjuncturen die Schienenpreise nicht fortsteigen, und kann es befremden, wenn eine Zeit eintritt, wo die Unmöglichkeit, sich mit Schienen zu ertrĂ€glichen Preisen aus dem Auslande zu versorgen, auf den Eisenbahnbau in allen LĂ€ndern, welche die eigene Schienenerzeugung vernachlĂ€ssigen, störend ein wirken wird? - Im Angesicht jener VerhĂ€ltnisse und dieser Möglichkeiten haben die deutschen Zollvereinsstaaten die Einfuhr fremden Eisens mit einer Steuer von 3,5 Thlr. Preuss C. fĂŒr 1100 Pfund Roheisen, 15. Thlr. fĂŒr 1000 Pfund Stabeisen und Schienen belegt, resp. erhöht, welcher Schutzzoll seit dem 1. September 1844 erhoben wird. Nur das belgische Erzeugnis genießt auf jene Zölle bei der einen Rabatt von 5 und resp. 7,5 Silbergroschen per Ctr. in Folge des jĂŒngsten Vertrags zwischen Belgien und dem Zollverein. Der Zweck dieser Eisenbesteuerung ist klar. Sie soll den Verbrauch von fremdem Eisen allmĂ€hlich beschrĂ€nken; man will das EindrĂ€ngen eines fremden Arbeitserzeugnisses, das wir selbst machen können, erschweren; der neue Schutzzoll soll der erste Stein zum Damm gegen einen beunruhigenden, ungeheuern Abfluß, deutschneun Geldes werden; er soll Deutschland aufstacheln, sich im Betreff eines der grössten und wichtigsten Zweige des Gewerbfleißes und eines unentbehrlichen BedĂŒrfnisses vom Ausland unnabhĂ€ngig zu machen. Es ist freilich Schade dass die Zoll-Legislatur den Impuls dazu nicht kĂŒhner, krĂ€ftiger und zehn Jahre frĂŒher gegeben hat. WĂ€re dies geschehen, so brauchten wir jetzt nicht auf deutsehen Bahnen von englischem Eisen zu fahren, und der hĂ€tte etwa 3 Millionen Thaler, die er zu seinem Eisenbahnbau etc. seit 1833 fĂŒr Schienen, Roheisen usw. ganz unnötigerweise an die britischen und belgischen Industriellen hingab, in der Tasche behalten. Diese 3 Millionen wollen viel sagen: denn sie wĂ€ren der deutschen Arbeit zugute gekommen in einer Periode, in welcher der Nahrungsmangel Hunderttausende von Deutschen ĂŒbers Meer trieb, wo man ĂŒber Arbeitsklemme und Nahrungslosigkeit in den fĂŒr Eisen geschickten Gegenden Deutschlands allgemeine und gegrĂŒndete Klage fĂŒhrte und die Not der Arbeiterklassen und die Mittel zu deren Abhilfe Fragen des Tags geworden sind, die alle Geister beschĂ€ftigen. - - Genug davon. Durch die Erhöhung der Eisenzölle ist die Absicht ausgesprochen, endlich sich einem wirksameren Schutze fĂŒr die deutsche Eisenerzeuuguung zu bequemen, und unter denn Schirme dieser Absicht und der großartigsten Verbrauchs-VerhĂ€ltnisse, die sich jemals entwickelt haben, tritt das deutsche HĂŒttenwesen in eine neue, bessere. Die Zollerhöhung hat uns verkĂŒndigt, dass wir fĂŒr die Herstellung von mehreren Millionen Centner Eisens, welche das zollvereinte Deutschland bisher fĂŒr sein schönes Geld jĂ€hrlich vom Auslande, kaufte, kĂŒnftig selbst sorgen sollen. Daß es so kommen, dass ein Schutzsystem Fuß fassen wĂŒrde, war vorauszusehen. Zwar konnte das Maß des Schutzes vom letzten Zollkongress verkĂŒmmert werden; aber die Anerkennung des Princips, der Notwendigkeit eines Zollschutzes ĂŒberhaupt, war unvermeidlich; denn auch den Blödsinnigsten und Kurzsichtigsten endlich die Augen aufgehen, dem Leichtfertigten mußte endlich, bei der allgemeinen Klage das Gewissen, schlagen, der EinfĂ€ltigste musste zur Einsicht gelangen dass es geratener sei die deutschen Eisengewerke zu schirmen, als sie durch die fremde Industrie zu Grunde richten zu lassen; kurz man mußte anerkennen, dass es nĂŒtzlicher sei, die Millionen, welche unser Eisenbaedarf kostet, im Lande zu erwerben und behalten, als sie ins Ausland zu schicken, und dass es der deutschen Nation mehr Ehre bringe, sie in Bezug des Eisens, eines BedĂŒrfnisses, das ihr so unentbehrlich ist als das Brot, unabhĂ€ngig zu machen, als sie in schimpflicher Tributpflichtigkeit fremde Nationen zu erhalten. Darauf hin habe ich seit 8 Jahren gerĂŒstet. Seit 1837 bin, ich unablĂ€ssig bemĂŒht gewesen mich in den Besitz reicher LagerstĂ€tten von Steinkohlen und von Eisenerzen in Zentraldeutschland zu bringen. Ich habe ĂŒber viermalhunderttausend Gulden darauf verwendet. Der Erfolg war vollstĂ€ndig. Mein Montanbesitz ist jetzt unstreitig der grĂ¶ĂŸte in Zentraldeutschland. Er deckt einen FlĂ€chenraum von mehr als 5 Quadratmeilen, und die Erz- und Kohlen-Niederlagen in demselben sind so ausgedehnt und mĂ€chtig, daß ich im Stande bin, die Rohstoffe zur Erzeugung von einer halben Million Centner gutes Eisen jĂ€hrlich zu liefern.
QUELLE[Allgemeine Zeitung 99 (1845) 787]


ZEIT1845
THEMAAmtliche Zeugnisse
TEXTAuf Ersuchen des des Bibliographischen Instituts und Bergwerksbesitzers Hrn. J. Meyer in Hildburghausen wird demselben hierdurch pflichtmĂ€ĂŸig bescheinigt, daß derselbe mit den bedeutendsten Eisenerz-LagerstĂ€tten des hiesigen Landes erb- und eigentĂŒmlich beliehen ist. Namentlich besitzt derselbe den besten und grĂ¶ĂŸten Teil der Altensteiner und Steinbacher Bergreviere, in welchen sowohl flöz- als auch gangweise sehr mĂ€chtige Ablagerungen der gutartigsten und reichsten Eisenerze von 45 bis 65 Prozent Metallgehalt vorkommen, die einen auf Jahrhunderte nachhaltenden Abbau zulassen und ganz geeignet sind zur Erzeugung der besten Eisensorten großartige HĂŒttenanlagen zu begrĂŒnden und dauernd zu ernĂ€hren. Im Bergamtsrevier GrĂ€fenthal beseitzt er ĂŒberdies eine der mĂ€chtigsten EisenlagerstĂ€tten Deutschlands, nĂ€mlich den bei weitem grĂ¶ĂŸten Teil des Schmiedefleder Lagers, dessen Erstreckung auf 1000 Lachter LĂ€nge bei einer MĂ€chtigkeit von 20 bsis 80 Lachter nachgewiesen und von Hrn. Meyer mit einem Stollen bis an die 30 Lachter unter Tage aufgeschlossen worden ist. Wenn eine Million Centner Erz alljĂ€hrlich gewonnen wĂŒrden, so könnte dennoch in vielen Jahrhunderten eine so ungeheure Erzmasse nicht abgebaut werden. Saalfeld, den 7. November 1842.
Saalfeld, Auf Ansuchen des Berg- und HĂŒttenwerksbesitzers, auch Inhabers des Bibliographischen Instituts, Hrn. J. Meyer in Hildburghausen, beglaubigen wir demselben unter Bergamts Hand und Siegel, daß er teils die hochfĂŒrstliche Spezialbeleihungen, teils, durch auf den erblichen Besitz des bei weitem grĂ¶ĂŸten ja besten Teils der in hochfĂŒrstlich Schwarzburg-RudolstĂ€dtischen Landen liegenden Montan-Reviere erworben hat. Diese grossen Mittel zu einem grossen Zweck zu benutzen, dazu ist der Zeitpunkt erschienen. Daher fordere ich Capital und Unternehmungsgeist auf, sich mit mir zu einer fĂŒr das Vaterland ebenso fruchtbringenden, als fĂŒr die Teilnehmer gewinnreichen Unternehmung zu verbinden, nĂ€mlich in Form eines Aktienunternehmens.
QUELLE[Allgemeine Zeitung 99 (1845) 787]


ZEIT1845
THEMAAufforderung zur GrĂŒndung
TEXTDie großen Mittel zu einem großen Zweck zu benutzen, dazu ist der Zeitpunkt erschienen. Daher fordere ich Capital und Unternehmungsgeist auf, sich mit mir zu einer fĂŒr das Vaterland ebenso fruchtbringenden, als fĂŒr die Teilnehmer gewinnreichen Unternehmung zu verbinden, nĂ€mlich in Form eines Aktienunternehmens, fĂŒr halbe Rechnung mit mir, große Schmelz-, Puddlings- und Walzwerke fĂŒr das BedĂŒrfnis des deutschen Eisenbahnbauses zu errichten. Eine so kolossale Eisenproduktion, wie ich sie beabsichtige, und wie erwĂŒnschte UnabhĂ€ngigkeit vom Auslande wirklich sie fĂŒr Deutschland nottut, damit es wegen seines Eisenbedarfs die erringe, wird, indem sie die Arbeitsprocesse mehr verteilt und verwohlfeilert, die Transporteinrichtungen zulĂ€ĂŸt, die Verwaltung vereinfacht, Regie- und Generalkosten verringert, die Gestehungskosten des Eisens um vieles kleinern und im gleichen VerhĂ€ltnis den Ertrag des GeschĂ€fts erhöhen. Die Basis desselben ist die Tatsache, daß nirgends in Deutschland so gĂŒnstige VerhĂ€ltnisse fĂŒr wohlfeile und großartige Eisenproduction vereinigt sind, als ich sie in ThĂŒringen gesammelt habe. Dazu tritt große Wohlfeilheit der Handarbeit und die fĂŒr den Absatz und die höchste Verwertung des Fabrikats vorteilhafte Lage in dem Herzen von Deutschland, fast im Mittelpunkte des deutschen Eisenbahnnetzes. Nahe sind auch die Wasserwege Ludwigskanal und Main. Diese und die Eisenbahnen lassen dem Fabrikate die wohlfeilste Verfrachtung nach allen Richtungen und in weite Entfernungen zu. Ein guter Erfolg ist unter so gĂŒnstigen LokalverhĂ€ltnissen dem Unternehmen unfehlbar, und nach nĂ€herer Einsicht meines Plans muß es auch den Vorsichtigsten einleuchten dass, wenn dieser Plan, wie es geschehen soll, mit Besonnenheit, Kraft und Ausdauer durchgefĂŒhrt wird, das in demselben verwendete Capital bei Erlangung vollkommener Sicherheit fĂŒr dasselbe eine grĂ¶ĂŸere Rente geben werde, als irgend eine andere bekannte Anlage in der Großindustrie, oder wie sie die Beteiligung bei Eisenbahnbauten etc. jemals gewĂ€hren kann. Die legalen Erfordernisse zur AusfĂŒhrung des Plans ruhen in meinen HĂ€nden. Zwei ThĂŒringische Staaten, Sachsen-Menningen und Sehwarzburg-Rudolstadt, haben mir nicht nur zur Errichtung der Werke unter Zulassung eines Actienvereins Concession, sondern auch wertvolle Privilegien (fast vollstĂ€ndige Befreiung von Weggeldern fĂŒr alle Berg- und HĂŒttenproducte, SteuerermĂ€ĂŸigung, das Recht im RudolstĂ€dtischen eigene Gemeinden zu bilden, die niedere Polizei auf allen Werken auszuĂŒben etc. etc.) verliehen und urkundlich zugesichert. So gerĂŒstet, lege ich Hand ans Werk und stelle ein Beispiel auf der Nachahmung wert und der Nachfolge sicher, weil es gedeihen muß. Wie wir in Deutschland schon viel grĂ¶ĂŸere Unternehmungen ausgefĂŒhrt haben, wie wir unsere Eisenbahnen bauten und noch viele bauen werden, auf dieselbe Weise, durch vereinnte Capitale und KrĂ€fte wollen wir auch die Herstellung unseres Man tue anderwĂ€rts, wie Schienenbedarfs bewirken, damit wir kĂŒnftig auf deutschen Bahnen vom deutschem Eisen fahren. Man tue anderwĂ€rts, wie ich hier getan habe, suche die Elemente Erze und Kohlen, da auf wo sie zu finden sind, und lasse dann Actiengesellschaften fĂŒr deutsche Schienenerzeugung ins Leben treten! Das Werk, das ich jetzt grĂŒnde, reicht fĂŒr den Zweck allein nicht aus. Mehrere solcher Werke können in Deutschland bestehen mit großem Gewinn, und erst wenn mehrere solcher wirksam sind, ist der Zweck des höhern Zollschutzes vollstĂ€ndig zu erfĂŒllen. Erst dann kann Deutschland sein Eisenbahnnetz ruhig fortstricken sehen, erst dann kann das große Werk unserer Nationalwohlfahrt unabhĂ€ngig vom Auslande, unabhĂ€ngig von politischen Konjunkturen und WechselfĂ€llen, seiner Vollendung entgegen schreiten, und die jetzt so begrĂŒndete Furcht, daß Deutschland durch den Eisenbahnbau noch einen sehr bedeutenden Teil seines Nationalkapitals fĂŒr Schienen ans Ausland verlieren werde, verschwindet auf immer. Wird mein Unternehmen, das einen so wichtigen, so nĂŒtzlichen, so notwendig und so volkstĂŒmlichen Zweck einen Zweck ins Auge faßt, der bei rechter Benutzung der vorhandenen gĂŒnstigen LocalverhĂ€ltnisse mit unfehlbarem und sehr großem Gewinne fĂŒr alle Theilnehmer auszufĂŒhren ist wird es Anklang und die erforderliche Theilnahme finden? Ich glaube es: denn auch der Vorsichtigste, betrachtet er die Grundlagen des Unternehmens, muss ihm vertrauen, das TĂŒchtige und ZeigemĂ€ĂŸe desselben lĂ€ĂŸt sich mit HĂ€nden greifen.
QUELLE[Allgemeine Zeitung 99 (1845) 787]


ZEIT1845
THEMAAktienplan
TEXTAktienplan fĂŒr die deutsche Eisenbahnschienen-Compagnie zur Erzeugung von jĂ€hrlich 300,000 Ctr. Schienen zum deutschen Eisenbahnbau.
§ 1.
Unter der Firma Deutsche Eisenbahnschienen-Compagnie grĂŒnde ich unter Zulassung eines Actienvereins ein Etablissement, das den Zweck hat, jĂ€hrlich 300.000 Centner Eisenbahnschienen fĂŒr gemeinschaftliche Rechnung mit dem Unterzeichneten zum deutschen Eisenbahnnbau zu fabrizieren. Die dazu erforderlichen Schmelz-, Puddlings- und Walzwerke sollen unmittelbar bei den dem Unterzeichneten eigentĂŒmlich und erblich gehörenden und hauptsĂ€chlich fĂŒr den Dienst der Compagnie zu bebauenden Eisen- und Steinkohlenbergwerken bei Neuhaus im Herzogtum Meiningen und bei Könitz im FĂŒrstentum Schwarzburg-Rudolstadt errichtet werden. Das Domizil der Firma ist in Hildburghaunsen, wo das Hauptcomptoir der Compagnie, unter Leitung ihres Chefs und Inhabers, ihre Angelegenheiten verwaltet. Es kann solches, nach dem Willen des Chefs, spĂ€ter mach Neuhaus verlegt werden.
§ 2.
Das Aktienkapital der Gesellschaft ist 2 Millionen Thaler. Hiervon sind neunmalhunderttausend Thaler zur vollstĂ€ndigen Herstellung der erforderlichen Werke und Anlagen selbst, viermalhunderttausend Thaler fĂŒr das bergbauliche Interesse, siebenmal hunderttausend Thaler aber zum eigentlichen Betriebsfonds bestimmt. – Jenes Actiencapital wird vom Unterzeichneten durch Ausgabe von zehntausend Actien, jede im Betrage von 200 Thlr. preuss. C. oder 550 Gulden in 24l. Fuss, auf den Inhaber (au porteur) lautend, auf gebracht. Dabei behĂ€lt sich der Unternehmer vor, wenn durch die Werra-Eisenbahn seine Altensteiner Eisenbergwerke mit den Kohlenwerken bei Neuhaus so verknĂŒpft werden, daß wohlfeiler Transport eine vortelhafte VerhĂŒttung, der sehr reichen Erze jener Gruben gestattet, und wenn der gute GeschĂ€ftsgang auffordert, die Compagniewerke, ihre Production und den Betriebsfonds zu vermehren, ein drittes Schmelzwerk an geeigneten Ort zu errichten und in diesem Fall das Stammkapital durch Emission von 5000 Aktien zu verstĂ€rken.
§. 3.
Die Actien tragen vom Tage der Einzahlung an fĂŒnf Prozent jĂ€hrlichen, unverĂ€nderlichen Zins und außerdem eine aus der HĂ€lfte des Nettogewinns erwachsende jĂ€hrliche Dividende. Zur Erhebung beider dienen die den Actien angedruckten Coupons und Dividendenscheine.
§ 4.
Die Einzahlung der ActienbetrÀge ist, nach der Wahl und Bequemlichkeit der AktionÀre entweder auf ihre Gefahr, bei soliden BankhÀusern deutscher WechselplÀtze, oder direkt bei dem Unterzeichneten.
(usw.)
QUELLE[Allgemeine Zeitung 99 (1845) 789]