Aktien-Gesellschaft der Lokomotivfabrik vorm. G. Sigl

Allgemeines

FirmennameAktien-Gesellschaft der Lokomotivfabrik vorm. G. Sigl
OrtssitzWiener Neustadt (N.-Ö.)
Art des UnternehmensLokomotivfabrik
AnmerkungenBis 1875 nur "G. Sigl" (s.d.). Aufschrift am noch vorhandenen, unter Denkmalschutz stehenden Eingangsportal: "K.k. priv. Lokomotiv, Maschinenfabrik W'Neustadt". Die Wiener Neustädter Arbeiterbewegung ging von Arbeitern der Lokomotivfabrik aus. Einheitliche, fortlaufende Zählung der Fabrik-Nummern bei allen Firmierungen der Lokomotivfabrik in Wiener Neustadt. Seit 1942 Tochtergesellschaft "Rax-Werke G.m.b.H." (Kanonen- und V2-Produktion).
Quellenangaben[Matschoss: Entw Dampfmasch (1908) I, 211] [Slezak: Lokomotivfabriken Europas (1962) 27]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1851 Gegründet in den ehemaligen Werksanlagen der "Locomotiv-Fabrik Norris, Wien" durch Georg Sigl (* 13.11.1811, + 09.05.1887), der seit 1840 in Berlin bereits eine Fabrik für Schnellpressen betrieb als "Maschinenbau-Etablissement von Georg Sigl, Wien"
1857 Aufnahme des Lokomotivbaus / k.k. Südl. Staatsbahn "Gutenberg"
1861 Pachtweise Übernahme der "Locomotiv-Fabrik von W. Günther, Wiener-Neustadt", die als "Locomotiv-Fabrik G. Sigl, Wiener-Neustadt" weitergeführt wird
1867 Völlige Übernahme der Lokomotivfabrik in Wiener-Neustadt
1867 Bau einer Dampfmaschine von 1000 PS Leistung
1870 Bau der 1000. Lokomotive (inklusive Vorgängerfirmen) und Einführung der gemeinsamen Firmierung beider Werke als "Locomotiv-Fabrik G. Sigl, Wien und Wiener-Neustadt"
01.03.1870 Georg Sigl spendet 25.000 fl. als Grundstock für einen Pensionsfonds seiner 3.700 Arbeiter.
1871 Alfred Guhrauer, Ingenieur bei der Lokomotivfabrik Wiener Neustadt, führt seine Schleppschiebersteuerung ein. Er wurde beauftragt, an der Betriebsmaschine eines Baggers eine Farcot-Steuerung anzuwenden, die mehr als 40% Füllung zulasse. Durch das Studium des Zeuner'schen Schieberdiagramms sieht er bald, daß sich diese Aufgabe nicht mit den bekannten Schleppschiebersteuerungen erreichen lasse. Anders als die Farcot-Steuerung arbeitet sie mit mit zwei Exzentern, und er ersetzt den Farcot-Daumen durch einen Keil. Der Mitnehmer des Schleppschiebers ist eine große Schraube mit Rechts- und Linksgewinde (eine Art aufgewickelter Keil) auf der Schieberstange, die reglerabhängig verdreht wird. Die Steuerung stellt eine Vereinigung der Schleppschiebersteuerung mti der Meyer-Steuerung dar. - Sigl erkennt die Bedeutung der neuen Steuerung nicht, und man denkt daher nicht daran, die Neuentwicklung patentieren zu lassen. Die Originalkonstruktion wird erstmals in der Zeitschrift des Österreichischen Ingenieurvereins (1872), Heft 16, beschrieben.
1872 Verkauf des Berliner Werkes an Schwartzkopff um 1871 zur Erweiterung seiner Fabrik
1875 Die Sigl'schen Fabriken werden in die Aktiengesellschaft überführt
1875 Verkauf an die Firma Schöller und Umwandlung in eine AG als "Actien-Gesellschaft der Locomotiv-Fabrik vorm. G. Sigl, Wiener-Neustadt", Aufgabe des Werkes in Wien
1885 Bau der 3000. Lokomotive / k.k. Staatsbahn Nr. 304 (2'B n2)
1897 Die 4000. Lokomotive wird dem Verkehr übergeben.
1910 Bau der 5000. Lokomotive / k.k. Staatsbahn Nr. 10.18 (1'C1' h2)
10.07.1916 Die Gebäude werden durch eine Windhose stark zerstört. Auch ein Kamin stürzt im Südwerk ein.
1930 Übernahme durch die "Wiener Lokomotivfabrik Aktiengesellschaft, Wien-Floridsdorf" letzte vergebene Fabriknummer 5828 (feuerlose Werkslok), das Werk wird stillgelegt
1938 Übernahme der stilliegenden Fabrik durch den Henschel-Konzern (zusammen mit der Wiener Lokomotivfabrik in Floridsdorf) nach dem Anschluß Österreich an das Deutsche Reich (12.03.1938). - Henschel konzentriert den Bau von Tendern in Wiener Neustadt, und das Werk wird zu diesem Zweck im Bereich zwischen den Werken I und II der "Wiener Neustädter Flugzeugwerke" stark erweitert.
05.05.1942 Gründung der Tochtergesellschaft "Rax-Werke G.m.b.H." als Rüstungsunternehmen. Dafür wird eine in Kraljevo (Serbien) erbeutete, 300 x 70 m große Montagehalle ("Serbenhalle") für Waggons demontiert und in Wiener Neustadt wieder aufgebaut. Anfangs werden Kanonenrohre produziert, ab Oktober 1943 wurden auch V2-Raketen gebaut. - Das V2-Projekt wird wegen der Bombenangriffe bald aufgegeben.
1945 Die Raxwerke werden durch Bombenangriffe großteils zerstört. Nur die Serbenhalle bleibt bestehen (sie wird später als Lagerhalle genutzt).
1958 Die Raxwerke werden an den Simmering-Graz-Pauker-Konzern angeschlossen
1966 Schließung der Raxwerke




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Dampflokomotiven 1875 Beginn (Übernahme von Sigl) 1929 Ende