Maschinenfabrik Richard Hartmann

Allgemeines

FirmennameMaschinenfabrik Richard Hartmann
OrtssitzChemnitz
StraßeLeipziger Str.
Postleitzahl0911x
Art des UnternehmensMaschinenfabrik
Anmerkungen1837-39: "Hartmann & Illing". 1840-42: "Hartmann & Götze". Ab 1870: "Sächsische Maschinenfabrik, vorm. ..." (s.d.). 1837-40: Annaberger Str. 539a; 1840-41: Augustusburger Str. 35; dann Leipziger Str. (später: Hartmannstr.).
Quellenangaben[Slezak: Lokomotivfabriken Europas (1962)] [100 Jahre Dampfmaschine Werdau (1999) 37 (Uhlmann)] [Sächs. Masch.-Fabr.: Jubiläumsschrift 1837-1912]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1837 Gründung als Sächsische Textilmaschinenfabrik in der Annaberger Straße durch R. Hartmann als Werkstatt mit drei Arbeitern. Anfangs ist er hauptsächlich mit Reparatur und Bau von Textilmaschinen beschäftigt.
13.03.1837 Kaufvertrag von R. Hartmann gemeinsam mit Franz C. Illing, durch den beide die Werkstatt des Maschinenbauers August Schubert käuflich erwerben. - Die Verbindung mit Illing wird bald wieder gelöst.
1838 Bau der ersten Streichgarnsätze nach Erfindung des Florteilers, einer Vorspinnvorrichtung für Streichgarnkrempel durch Richard Hartmann
27.01.1838 Geburt von F. O. Schimmel. Er erwirbt die Qualifikation eines Maschinenbauingenieurs und ist zunächst als Konstrukteur für die Maschinenbauunternehmen von Richard Hartmann und Constantin Pfaff tätig.
1840 Aufnahme von August Götze, einem ehemaligen Spinnereifachmann, als Partner. Firmierung: "Hartmann & Götze"
1840 Beginn des Baus von Dampfmaschinen (Balanciermaschinen). Elsässische Vorbilder (J. Meyer) sind zunächst maßgebend; auch die Schrift auf den ersten Zeichnungen ist noch französisch. Die Maschine ist eine stehende Maschine mit oben liegender Kurbelwelle, die auf zwei gegossenen Stützen und einer Traverse zwischen Seitenwänden gelagert ist. Der Kreuzkopf hat Rollenführung, und an die Schwungradspeichen ist ein Zahnrad angeflanscht.
1840 Ansiedlung in der Klostermühle, da er für die 76 Arbeiter nicht genügend Raum hat.
1842 Firmierung als "Maschinenfabrik Rich. Hartmann, Chemnitz"
1842 Bau vom Bockmaschinen mit gotischem Untergestell und Watt'schem Regler (als zweite Bauform dese vor zwei Jahren aufgenommenen Dampfmaschinenbaus)
1843 Kauf des ehemals Ketzer'schen Grundstücks in der Alten Leipziger Straße
1843 Auszeichnung mit der Goldenen Preismedaille in Dresden
1844 Auszeichnung durch eine silberne Medaille in Berlin
Herbst 1844 Teilweise Verlegung der Fertigung aus der gemieteten Klostermühle in die Leipziger Straße. Zu dieser Zeit werden 350 Arbeiter beschäftigt.
1845 Die Verbindung mit August Götze endet. (Lt. [Uhlmann (1999)]: schon 1842)
1845 Bau des ersten mechanischen Webstuhls
1845 Bau von liegenden Woolf'schen Verbundmaschinen mit seitlich befindlichen Ventilen und darunter (unter Flur) liegender Steuerwelle (1845-1855)
Sommer 1845 Die Werkstätten in der Klostermühle werden durch Feuer teilweise zerstört.
1845 Völlige Verlegung der Fertigung aus der gemieteten Klostermühle in die Leipziger Straße (der alten Leipziger Straße, die später zu Ehren des Werkes und seines Gründers den Namen Hartmannstraße tragen wird).
1846 Hartmann baute bis 1846 53 Dampfmaschinen mit zusammen 618 PS Leistung
1847 Die Sächsische Staatsregierung findet sich in Erkenntnis der Wichtigkeit, im Bezug von Lokomotiven unabhängig vom englischen Markt zu werden und die heimische Industrie zu fördern, bereit, Hartmann ein Kapital von 30.000 Talern zinsfrei auf fünf Jahre und rückzahlbar nach zehn Jahren zur Verfügung zu stellen.
05.01.1848 Abnahme und Taufe der ersten Hartmann-Lokomotive auf den Namen "Glück Auf", an die Bayrische Staatsbahn geliefert. Die Lokomotive wird auf einem von Pferden gezogenen Wagen nach Leipzig überführt.
05.01.1848 Die erste Lokomotive "Glück Auf", eine 1'B-Gemischtzuglokomotive aus der Fabrik Richard Hartmanns in Chemnitz, für die Sächsische Staatsbahn wird wie ein Schiff getauft und in Leipzig übergeben
04.08.1852 Das Werk wird zum erstenmal durch einen Besuch des Landesherrn, des Königs Friedrich August, ausgezeichnet.
1854 Auf der Industrie-Ausstellung in München erhält Hartmann die Große Goldene Staatsmedaille "Wegen seiner Verdienste um die Emporbringung der Fabrikation industrieller Maschinen in Deutschland und der mannigfachen, aus seiner Werkstatt hervorgegangenen Verbesserungen an denselben, besonders im Fache der Streichgarnspinnerei, welche zum Teil an den zahlreich von ihm ausgestellten Maschinen wahrgenommen wurden."
1854 Einrichtung einer eigenen Gießerei
1855 Der Bau von Wasserturbinen und Mühleneinrichtungen, sowie die Herstellung großer Bergwerksmaschinen und Bohrapparate wird aufgenommen.
1855 Um 1855: Einführung der Höffner-Dampfmaschinensteuerung
1855 Hartmann erhält die Medaille erster Klasse auf der Internationalen Ausstellung in Paris. [Lt. Quelle bereits am 07.12.1854 - die Ausstellung fand jedoch im Sommer/Herbst 1855 statt.]
1857 Beginn des Werkzeugmaschinenbaus: Erweiterung durch eine besondere Abteilung für den Werkzeugmaschinenbau
09.04.1858 Die hundertste Lokomotive (die "Hundert" an die Obererzgebirgsbahn) verläßt die Chemnitzer Werkstatt, verbunden mit einem großen Industriefest. Der Direktor der Abteilung für den allgemeinen Verkehr im königlichen Finanzministerium, Geheimer Rat von Ehrenstein, hält aus diesem Anlaß eine längere Rede, in der er die besondere Anerkennung der Regierung für die Erzeugnisse der Hartmannschen Fabrik zum Ausdruck bringt. [Lt. Jubiläumsschrift bereits April 1855: falsch!]
1859 Aufnahme des Baus von Spinnmaschinen
1860 Unterbrechnung des Lokomotivbaues wegen eines augedehnten Farbrikbrandes
17.07.1860 Um 21.45 Uhr bricht ein Brand im Werk aus, und fast die gesamte Hartmannsche Fabrik auf der Nordseite steht in Flammen. Erst gegen drei Uhr morgens kommt der Brand unter Kontrolle. Der Schaden beträgt 341.000 Taler.
Anfang August 1860 Vierzehn Tage nach dem Brand besucht der König Johann von Sachsen die Brandstätte, um Hartmann seine Anteilnahme an diesem schweren Unglück zum Ausdruck zu bringen und ihn zu ermutigen, mit frischen Kräften an den Wiederaufbau seines Werkes heranzugehen.
1862 Die Fabrik ist nach dem Brand vom Juli 1860 wieder aufgebaut und bedeutend erweitert.
1862 Auszeichnung durch eine Ehrenmedaille auf der Weltausstellung in London für eine liegende Einzylinderdampfmaschine mit 20 PS (gute Anordnung, praktische Nützlichkeit)
24.06.1862 Richard Hartmann wird anläßlich des Festes zum 25jährigen Bestehen seines Unternehmens zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt
1863 Emil Skoda kann während seines dreijährigen Volontariats in der Werkzeugmaschinenfabrik Richard Hartmann in Chemnitz kann Kontakte zu Vertretern der "AG Weser" knüpfen, die ihn in der Folge als Oberingenieur nach Bremerhaven
engagiert.
1863-1864 In den Jahren 1863 und 1864 arbeitet Carl Bach im Dampfmaschinenbau der Firma R. Hartmann in Chemnitz. In dieser Zeit lernt er auch neben der Arbeit her noch Englisch.
1866 Bau von Dampfmaschinen mit Farcot-Krause-Steuerung (liegende Maschinen mit Schleppschiebersteuerung) bei Hartmann in Chemnitz
1866 Die von Ingenieur Krause erfundene Schleppschiebersteuerung arbeitet mit zwei Exzentern: einer für den Grundschieber, und der zweite verschiebt einen Rahmen im Schieberkasten, der den Expansionsschieber mitnimmt: Die Füllung wird reglerabhängig durch einen Keil verändert: er beeinflußt das Spiel zwischen Rahmen und Schieber.
31.10.1866 Gründung einer eigenen Fabrikfeuerwehr
1867 Bau der ersten Lokomotive mit Heusinger-Steuerung für eine Lokomotive, die in die Schweiz geliefert wird.
1867 Auszeichnung durch eine goldene und silberne Medaille in Paris
1868 Errichtung einer neuen Montagehalle für den Lokomotivbau
01.01.1868 Richard Hartmann nimmt seine Söhne Richard und Gustav, sowie seinen Schwiegersohn Keller als offene Teilhaber in sein Geschäft auf, da die Arbeitslast doch allmählich für Hartmanns Schultern zu groß geworden ist.
ab Ende 1860er Hartmann baut als eine der ersten Firmen Dampfmaschinen-Ventilsteuerungen mit freifallender Klinke
04.04.1870 Umfirmierung in Sächsische Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann AG




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Bergwerksmaschinen 1855 Beginn      
Dampflokomotiven 1848 Beginn 1870 Ende (--> Sächs. Maschinenfabrik)  
Dampfmaschinen 1840 Beginn [Industriemus. Chemnitz (1994)] 1870 Umfirmierung zunächst für eigene Zwecke und Kopien von J.-J.-Meyer-Maschinen
lokomobile Dampfmaschinen 1854 Ausstellung München 1854 Ausstellung München  
Mühlen 1855 Beginn      
Streichgarnsätze 1839 Beginn 1870 Umfirmierung  
Streichgarnselfaktoren 1859 Beginn      
Textilmaschinen 1837 Erste Erwähnung 1870 Umfirmierung  
Turbinen 1855 Beginn      
Webstühle 1845 Beginn 1870 Umfirmierung  
Werkzeugmaschinen 1857 Beginn 1870 Umfirmierung  
Zündnadelgewehre 1848 Beginn 1851 Ende  
Zwirnmaschinen 1860 Beginn      




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine 1846 Maschinenfabrik Richard Hartmann




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
1857 Dampfmaschinen 6     Leistung 150 PS    
1857 Schmiedefeuer 80              
1857 Hilfsmaschinen 540              
1870 Dampfmaschinen 13     Leistung 350 PS    
1870 Dampfkesselanlagen 16              




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1837 3 3     bei Gründung
1840 18 18     mit 18 Gehilfen, in der sog. Klostermühle
1845 350 350     Mitteilung Dr. Uhlmann (2000): 190 Arbeiter, 2 Techniker. [SMF]: zur Zeit der Umsiedlung in die Leipziger Straße
1850 394 330 10 54  
1853   480     + 2 Techniker
1857 2000 2000     [Uhlmann, Chemnitz (2000)]: 1500 Arbeiter
1862   1800      
1867 2870 2700 170    
1869 3250 3000 250    




Firmen-Änderungen, Zusammenschüsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1870 Umbenennung danach Sächsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG Hartmann --> Sächs. Mf