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Allgemeine Österreichische Elektrizitäts-Gesellschaft, Kraftwerk Leopoldstadt
Firmenname | Allgemeine Österreichische Elektrizitäts-Gesellschaft, Kraftwerk Leopoldstadt |
Ortssitz | Wien |
Ortsteil | Leopoldstadt |
Straße | Obere Donaustr. 32 |
Art des Unternehmens | Elektrizitätswerk |
Anmerkungen | Bestellt von der Allgemeinen Österreichischen Elektricitäts-Gesellschaft, Wien; projektiert für 6000 effektive Pferdekräfte. System der Stromverteilung: Gleichstrom-Fünfleitersystem mit 4 x 110 Volt Spannung. Die Stromabgabe erfolgt in das Netz der zuerst erbauten Zentrale Neubad, auf welches Netz nun beide Zentralen in Parallelschaltung arbeiten. Vergl. auch das Werk der "Wiener Elektrizitäts-Gesellschaft" in Mariahilf (auch mit "1. Brünner"-Dampfmaschinen). Die Gesellschaft betrieb die Unterstationen XVII., Helbinggasse 7 und XIX., Billrothstraße 7. |
Quellenangaben | [Hundertjährige Geschichte der Ersten Brünner Masch.-Fabr.-Ges. (1921) 144] [Referenzliste S. 16] [Kortz: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts I (1905) 261] |
Zeit |
Ereignis |
Herbst 1891 |
Bestellt von der Allgemeinen Österreichischen Elektricitäts-Gesellschaft |
Frühj. 1892 |
Baubeginn |
1892 |
Die Allgemeine Österreichische Elektrizitäts-Gesellschaft nimmt wegen der fortwährenden Vermehrung der Anschlüsse an das 1889 eröffnete Werk Neubad einen derartigen Aufschwung, daß sie sich zur Schaffung einer zweiten, bedeutend leistungsfähigeren Betriebsanlage, der "Zentrale Leopoldstadt" veranlaßt sieht, welche mit der Zentrale Neubad das gemeinsame Kabelnetz mit Strom versorgt. |
10.12.1892 |
Inbetriebnahme |
21.04.1893 |
Wegen der Errichtung des Werks Leopoldstadt und der gleichzeitig durchgeführten ganz bedeutenden Erweiterung des Kabelnetzes wird ein neuer, auf das ganze kurz vorher erweiterte Gemeindegebiet Wiens sich erstreckender Straßenbenutzungsvertrag mit der Gemeinde Wien geschlossen, welcher, abgesehen von dem bedeutend erweiterten Umfange, von dem ersten Vertrage nicht wesentlich abweicht. In diesen Verträgen räumt die Gemeinde Wien der Unternehmerin gegen gewisse Abgaben und unter entsprechenden, vorwiegend technisch begründeten Bedingungen das Recht ein, die öffentlichen Straßen, Plätze etc. zur Legung von Leitungen zwecks Verteilung des elektrischen Stromes zu benutzen, erteilte aber damit, wie im Vertrage ausdrücklich hervorgehoben, kein ausschließliches Recht und behält sich sogar die Erbauung elektrischer Anlagen vor. Es liegt daher kein Hindernis vor, daß auch andere Unternehmer das gleiche Recht erlangen. |
Produkt |
ab |
Bem. |
bis |
Bem. |
Kommentar |
Elektrizität |
1900 |
Lieferung Dampfmaschinen |
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Zeit |
Objekt |
Anz. |
Betriebsteil |
Hersteller |
Kennwert |
Wert |
[...] |
Beschreibung |
Verwendung |
1892 |
Dampfkessel |
32 |
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Röhrenkesselfabrik Mödling, vorm. Dürr, Gehre & Co. AG |
Heizfläche je |
230 |
qm |
Wasserrohrkessel, System Dürr-Gehre, für maximal 19 kg/qm Dampf bei 14 atü, größtenteils mit rauchloser Feuerung Patent Th. Langer |
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1892 |
Rückschlagventile |
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Hübner & Mayer GmbH |
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Rohrbruch- und Rückschlagventile, welche sich sowohl bei Kesselhavarie oder Bruch der Dampfleitung selbsttätig schließen. |
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1892 |
Schornsteine |
2 |
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unbekannt |
Höhe |
45 |
m |
3,2 m obere lichte Weite. Für 32 Kessel à 230 qm Heizfläche |
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1902 |
Überhitzer |
6 |
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Aktiengesellschaft für Maschinenbau, vorm. Brand & L'Huillier |
Heißdampftemperatur |
350 |
°C |
für 14.000 kg/h Dampf |
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um 1896 |
Dynamomaschinen |
6 |
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Siemens & Halske AG |
Leistung je |
540 |
kW |
Innenpolmaschinen, Modell J 110, für eine Leistung von 540 Volt und 1000 Ampere |
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ZEIT | 1892 |
THEMA | Kessel- und Maschinenhaus |
TEXT | Die Zentrale Leopoldstadt umfaßt straßenseitig ein Wohnhaus für Bedienstete und Private, an welches sich hofseitig ein Magazinsgebäude, ein Akkumulatorengebäude sowie das Maschinenhaus samt Pumpenraum und diesem gegenüber das Kesselhaus anreiht. Das Kesselhaus enthält 32 Wasserrohrkessel System Dürr-Gehre von je 230 qm Heizfläche, welche mit maximal 19 kg Dampf pro Quadratmeter bei 14 Atmosphären Überdruck beansprucht werden können. Dieselben sind größtenteils mit rauchloser Feuerung Patent Th. Langer ausgerüstet, welche nach und nach derart vervollkommnet wurde, daß nicht nur rauchfreie Verbrennung, sondern auch ein guter Wirkungsgrad erzielt wird. Die Fuchskanäle der Feuerungen münden in zwei Schornsteine von 45 m Höhe und 32 m oberer lichter Weite. Die Kesseleinmauerungen sind durchwegs mit Explosionsklappen versehen, welche bei Überdruck in den Feuerzügen deren Verbindung mit der Außenluft herstellen. Zwischen Kessel und Dampfleitung sind kombinierte Rohrbruch- und Rückschlagventile von Hübner & Mayer eingeschaltet, welche sich sowohl bei einer Kesselhavarie als auch bei Bruch der Dampfleitung selbsttätig schließen. Die Kohlenzufuhr zu den Kesseln erfolgt durch Handwagen; die Schlacke wird mittels einer kleinen Seilbahn in Kippwagen aus dem Aschenraume unter den Kesseln auf eine Brücke im Hofraume gefördert und von da unmittelbar in die bereitstehenden Wagen abgestürzt. Zur Wasserbeschaffung dienen die Brunnen I und II im Hofraume der Zentrale, ferner der mit I durch eine Heberleitung verbundene Brunnen III, welcher auf einem gegenüber der Zentrale auf der anderen Seite der Oberen Donaustraße liegenden Steinlagerplatze errichtet wurde, sowie endlich eine stromabwärts am Donaukanale erbaute Pumpstation, welche mittels zweier elektrisch betriebener Flügelpumpen von je 500 cbm Stundenleistung das Wasser bei ausreichendem Wasserstande aus zwei in der Uferböschung abgeteuften Saugschächten, bei Niederwasser jedoch durch starke Saugschläuche direkt aus dem Donaukanale in Brunnen I und II fördert. Aus diesen Brunnen wird einerseits das Kühlwasser für die Kondensation, anderseits das Kesselspeisewasser geschöpft. Letzteres wird in Dervaux-Apparaten für eine stündliche Leistung von 63 cbm mit Soda und Ätzkalk chemisch gereinigt, im Kesselhaussouterrain in 13 Blechreservoiren von je 18 m 3 Inhalt gesammelt und vor der Verwendung mit Pumpenabdampf vorgewärmt. Es sind zwei Rohwasserpumpen mit zusammen 50 m 3 und fünf Speisepumpen System Worthington mit zusammen 100 m 3 Stundenleistung vorhanden. Sämtliche Speiseleitungen sind doppelt ausgeführt. Außerdem besitzt jeder Kessel noch seinen besonderen Injektor, welcher unmittelbar aus den Reinwasserreservoirs schöpft. Fast alle Kessel sind mit Überhitzern - teils gußeisernen nach Schwörer, teils schmiedeeisernen nach Werth beziehungsweise Kautsch - versehen, welche in die Feuerzüge eingebaut sind und die Dampftemperatur auf 270 bis 290° C erhöhen. Nur die letztaufgestellten sechs Kessel senden ihren Dampf durch zwei separat gefeuerte Schmidt-Überhitzer aus engen Mannesmannrohren mit zusammen 210 qm Heizfläche. Dieselben wurden von der Aktiengesellschaft für Maschinenbau, vormals Brand & Lhuillier, geliefert und überhitzen stündlich 14.000 kg Dampf von 12 Atmosphären auf maximal 350° C. Vom Kesselhaus führen drei Dampfleitungen von 255, 315 und 206 mm lichter Weite unter dem Hofniveau in gangbaren Rohrkanälen in das Maschinenhaussouterrain und schließen sich daselbst an die längs der Hoffront verlaufende Dampfleitung von durchschnittlich 255 mm lichter Weite an. Alle Dampfleitungen bestehen aus Mannesmannstahlrohren. Im Maschinenhause (siehe Abb. 239 und 240) befinden sich 18 stehende Dampfmaschinen Nr. I bis XVIII, je mit Gleichstromdynamomaschinen für 500 Volt Spannung unmittelbar gekuppelt. Die gesamte Maschinenleistung der Zentrale Leopoldstadt beträgt somit normal 17.800 und maximal 20.000 indizierte Pferdestärken, die beider Zentralen zusammen normal 19.300, maximal 21.730 indizierte Pferdestärken. |
QUELLE | [Kortz: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts I (1905) 261] |
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ZEIT | 1892 |
THEMA | Schaltanlagen, Akkumulatoren |
TEXT | Die Dynamos von Maschine I bis XVI sind mit einer gemeinsamen Schaltanlage an der Schmalseite des Maschinenhauses verbunden. Diese besteht aus langen Pulten auf einem erhöhten Podium, welche für jede Maschine einen doppelpoligen Ausschalter, einen von zwei Seiten ablesbaren Stromzeiger und einen Taster zur Einschaltung eines Spannungszeigers tragen. Unter den Pulten sind die Regulierwiderstände der Dynamos und die Sammelschienen angebracht, die den Strom zu den Verteilungsschalttafeln führen. Für die Maschinen XVII und XVIII ist in deren unmittelbarer Nähe eine besondere Schalttafel angeordnet, von welcher die Sammelschienen ebenfalls zu den Verteilungsschalttafeln führen. Für jeden Außenpol des Fünfleiternetzes ist eine besondere Verteilungsschalttafel angeordnet, welche je einen Ausschalter und einen Stromzeiger für jedes Speisekabel trägt. Die Verbindung dieser Verteilungsschalttafeln mit den von einem Kabelkeller ausgehenden Speisekabeln ist durch blanke Kupferschienen und Schmelzsicherungen bewerkstelligt. Von da an sind die Speisekabel in einem begehbaren Kabelkanal unter dem Hofe der Zentrale bis an die Straße fortgeführt. Mit den Verteilungsschalttafeln ist ferner eine Akkumulatorenbatterie verbunden, welche zur Speisung und Regulierung der umliegenden Bezirke II und IX dient. Sie liefert 225 Kilowatt und ist ähnlich wie die Batterie in Zentrale Neubad ausgerüstet. Auch diese Batterie bleibt wie alle anderen während der Ladung mit dem Kabelnetz verbunden. In den eingangs erwähnten Unterstationen sind die Akkumulatorenbatterien für einen von den Zentralen möglichst unabhängigen Betrieb eingerichtet. Die Unterstationen entnehmen ihren Strombedarf aus den Ladeleitungen ganz wie andere Stromabnehmer aus den Hausanschlüssen, ohne daß in den Zentralen etwas anderes als die Erzeugung der nötigen Strommenge vorzukehren wäre. Außer einer Akkumulatorenbatterie besitzt jede Unterstation mehrere Zellenschalter für die zu verschiedenen Speisepunkten in der Umgebung führenden Haupt- und Ausgleichsleitungen, ferner Motordynamos zur Erhöhung der Ladespannung und zum Teil auch kleinere Maschinen zur Absaugung des Strombedarfes aus den Zentralen sowie zum Nachladen einzelner Zellen. Eine Schalttafel trägt die zugehörigen Schalt- und Meßapparate. Die Leistung der Batterien in den Unterstationen beträgt insgesamt 267 Kilowatt. |
QUELLE | [Kortz: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts I (1905) 263] |
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ZEIT | 1903 |
THEMA | Verteilungsnetz |
TEXT | Das Verteilungsnetz erstreckt sich über den I. bis V, VII. bis IX. und XVI. bis XIX. Bezirk. Die Verbindung der einzelnen Stränge wurde teils durch Muffen, teils auch, zwecks leichterer Trennung, durch zugängliche Kabelkästen mit Luftisolation hergestellt. Ebenso sind die Hausanschlüsse teils mit Muffen, teils mit kleinen zugänglichen Kästen abgezweigt. Die Hauptleitungen, welche den Speisepunkten des Verteilungsnetzes Strom zuführen, sind zumeist als Zweileiter zur Speisung der Außenleiter, nach Erfordernis aber auch als Drei- und Fünfleiter ausgeführt. Die Spannungskontrolle wird durch Prüfdrähte vermittelt, welche mit den Hauptkabeln isoliert verseilt sind und im Speisepunkt mit dem Verteilungsnetze, dagegen in der Zentrale durch Galvanoskope mit einem auf richtiger Spannung erhaltenen sogenannten Kontrollpunkte in Verbindung stehen. Das Kabelnetz besteht durchwegs aus einfachen, bandarmierten Bleikabeln bekannter Konstruktion von Siemens & Halske mit einfachem oder doppeltem Bleimantel; dieselben wurden 70 bis 80 cm tief unter den Gehsteigen in reinen Donausand eingebettet und mit starken Gesimsziegeln abgedeckt. An besonders gefährdeten Stellen wurden die Kabel durch Eisenplatten oder Rohre geschützt. Das Kabelnetz besaß Ende 1903 eine Trassenlänge von 123.293 m. Die Kabellänge betrug 772.083 m, wovon 233.683 m auf Speise- und Ausgleichsleitungen und 538.400 m auf Verteilleitungen entfielen. 2890 Hausanschlüsse speisten 164.598 Glühlampen, 4168 Bogenlampen und 1716 Motoren mit einem Anschlußwert von 150.180 Hektowatt. |
QUELLE | [Kortz: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts I (1905) 264] |
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ZEIT | 1896 |
THEMA | Maschinenanlage |
TEXT | Kessel: 16 Dampfkessel und zwar: 10 Wasserrohrkessel von je 230 qm Heizfläche für 14 Atmosphären Betriebsspannung mit Überhitzern, 6 wie vor, jedoch ohne Überhitzer, geliefert Von der Firma Dürr, Gehre & Co. in Mödling. Dampfmaschinen: 6 freistehende Verbund-Dampfmaschinen, System Collmann, für 13 Atmosphären Admissionsspannung von je 500 bis 700 effektiven Pferdekräften bei 125 bis 150 Umdrehungen in der Minute, mit je einer Dynamomaschine direkt gekuppelt, mit Zentralkondensation, System J. Weiss. Von den Dampfmaschinen sind 4 Stück durch die Firma L. Lang in Budapest und 2 Stück von der Firma Friedrich Wannieck & Co. in Brünn geliefert, welch letztere Firma ebenfalls die Zentralkondensationsanlage lieferte. Dynamomaschinen: 6 Innenpolmaschinen von Siemens &. Halske, Modell J 110, für eine Leistung von 540 Volt und 1000 Ampere. Gesamtleistung: Maschinenkraft 4200 PS. |
QUELLE | [S&H: Elektrische Central-Anlagen (Juli 1896) 8] |
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